Facebook
|
Twitter
|
RSS
|
eMags Kontakt
|
Mediadaten
|
Impressum
Kultur
Startseite Alle NachrichtenKultur
Dosch@Berlinale 2019
 

Dosch@Berlinale 2019

0

Numero Uno: Ciao, Dieter!

Foto: Marc Ohrem Leclef@ Berlinale 2012
Foto: Marc Ohrem Leclef@ Berlinale 2012
Auch dieses Jahr hat unser Filmredakteur Andreas Dosch den weiten Weg in die Hauptstadt auf sich genommen, um sich für uns auf der Berlinale umzuschauen. Im ersten Teil der Kolumne geht es um den scheidenden Berlinale-Chef Dieter Kosslick und tolle Frauen.
„Als ich im Jahr 2001 Direktor der Berlinale wurde.“ Das ist mal ein Satz. Ja, yes, oui, si: Als Dieter Kosslick vor 18 Jahren den Chefsessel eines der gigantischsten Filmfestivals des universellen Marktes erklomm (der Riesigste, rein wüchsig, ist er ja nicht gerade) – was war da? Die Internationalen Filmfestspiele Berlin, wie sie mit vollem Namen heißen, waren 12 Monate zuvor zum neu herausgeputzten und ob seiner schneidenden Hochhaus-Windtäler von mir nach wie vor verfluchten Potsdamer Platz umgezogen. Kosslicks langjähriger Vorgänger, der sicherlich verdienstvolle, aber auch immer unnahbar-arrogante Moritz de Hadeln, hatte mit einer grauenhaften „Täterätää“-Festivalhymne als verzweifeltem Erneuerungsversuch nicht unbedingt die ideale Duftspur hinterlassen. Und dann kam Dieter. Der fidele Baden-Württemberger mit Hut und rotem Schal – seinen Markenzeichen – brachte frischen Schwung, Charme und Witz in das mittlerweile dem Aufbau-Berlin geschuldeten Neongrau der Berlinale-Nachwendezeit, einem filmisch eroberten, renovierten, aber politisch reservierten Reichstagsgebäude, das um sich selbst zu kreisen schien. Ab sofort fühlte man sich, ob jetzt als neugieriger Zaungast, interessierter Kinofan oder professioneller Besucher, wieder willkommen.

Der Schleier des Elitären hob sich (zumindest ein wenig) von der Großveranstaltung. Kosslick erkor die Berlinale zum Event – ein Begriff, den es so vorher so nicht gab. Das nehmen ihm bis heute manche Kritiker übel, denn mit dem Event-Charakter kam auch der – igitt! – Boulevard. Die Promi-Dichte (und auch die der, ähm, „Journalisten“) wuchs enorm, ein roter Teppich wurde ausgerollt, das Programm um zahllose Sektionen erweitert – manche sinnig, andere nicht so sehr („Kulinarisches Kino“?). Aber ich, um wieder persönlich zu werden, mochte ihn ganz gern, diesen munteren Umbruch. Zumindest am Anfang. Nicht zuletzt klang die wiederum neu komponierte Berlinale-Eröffnungshymne jetzt einigermaßen sexy & modern. Irgendwann konnte ich sie im Traum nachsingen – schon mal ein gutes Zeichen. Klar, auch „der Dieter“ pflegte fortan seinen Klüngel, lud immer wieder dieselben Leute ein, viele davon gerne gesehen (Tilda Swinton), andere weniger (Isabel Coixet). Tilda hätte sich nach eigenen Angaben auch als Putze eingeschlichen. Coixet dreht nach wie vor (umpf!) Filme.

Beide sind auch 2019 wieder dabei: Tilda muss nicht putzen, sondern schauspielen. Coixet dreht nach wie vor – umpf! - Filme. Da ich erst vor einigen Stunden mit dem ICE angereist bin (nur zu empfehlen, besser als diese lästige Fliegerei von Frankfurt aus), kann ich noch wenig zur aktuellen Programmauswahl sagen. Außer, dass mich die Vorab-Lektüre unzähliger Synopsen einigermaßen ratlos zurücklässt. „Das Private ist politisch“, schreibt Kosslick in seinem (letzten) Editorial, um den Rahmen mal ganz weit zu spannen. Und die Kulturdingsbumsministerin Monika Grütters freut sich in diesem Kontext offiziell auf eine „politische Berlinale“. Aha, tut sie das. Ist es also politisch, wenn ich mich – privat und professionell – einfach auf eine „gute“ Berlinale freue? Oder zumindest darauf hoffe?! Wer tut das nicht (okay: Sie nicht. Sie da drüben auch nicht. Dem Herrn rechts ist es völlig egal …). „Die Berlinale ist eine Frau“ titelten diverse Medien bereits im Vorfeld ob der unübersehbaren Dominanz des (eigentlich) starken Geschlechts bei Them*innen und Macher*innen (offizielle Berlinale-Schreibweise). Yo, Frauen sind toll. Zumindest manchmal. Okay: meistens! Aber, frage ich mich dann doch: Warum hört Kosslicks Nachfolger*in für 2020 dann auf den Vornamen „Carlo“? Carlos Chatrian, um genau zu sein, ehemaliger Chef von Locarno (also, dem Filmfestival). Warum nicht Carlotta? Carolin? Cicollina? Caterin Carlo? Die Welt, ich muss sie nicht verstehen. Ich muss erst mal die neue Berlinale durchstehen: Dieter Kosslicks Schwanengesang, mit Hut & Schal. In diesem Sinne: Herzlichen Dank, grazie, thank you, merci, tak (etc.)! War echt toll. Und jetzt ein bisschen Musik ...
8. Februar 2019
Andreas Dosch
 
Empfehlen
 
Fotogalerie:
{#TEMPLATE_news_einzel_GALERIE_WHILE#}
 

Leser-Kommentare

Kommentieren
Schreiben Sie den ersten Kommentar.
 
Mehr Nachrichten aus dem Ressort Kultur
 
 
Lost Stories: neue Form der Erinnerungskultur
0
Das Leben eines jeden Menschen ist es wert, erzählt zu werden
Die Austellungsreihe Lost Stories will den Umgang mit Altern, Sterben, Tod und Vergänglichkeit in den Alltag holen und eine neue Form der Erinnerungskultur kreieren. Das Pilotprojekt startet in Frankfurt, noch bis zum 23.7. läuft eine Crowdfunding-Aktion. – Weiterlesen >>
Text: Helen Schindler / Foto: Symbolbild © Pixabay
 
 
Sommerwerft 2019 vom 19.7.-4.8.
0
Kreativität statt Konsum
Am Freitag startet das kostenlose Theaterfestival Sommerwerft. Mit 300 Künstlerinnen und Künstlern ist es noch größer als im vergangenen Jahr. Und auch hier ist das Thema Klimaschutz angekommen: Durch eine Neuerung werden in diesem Jahr 36 000 Kilogramm CO2 eingespart. – Weiterlesen >>
Text: ez / Foto: Stefano Strampelli
 
 
Haus am Dom: Sommerkino auf der Dachterrasse
0
Filme voller Musik, Liebe und Politik
Sommer ist Freiluftkino-Zeit: Auf der Dachterrasse des Hauses am Dom werden auch in diesem Jahr wieder Filme unter freiem Himmel gezeigt. Von 19. Juli bis 11. August werden acht verschiedene Filme auf die Leinwand projiziert. – Weiterlesen >>
Text: hes / Foto: D. Wiese-Gutheil/Haus am Dom
 
 
 
Interview mit Initiator vom Burg Herzberg Festival
0
Love and Peace
Das Burg Herzberg Festival feierte schon 2018 seinen 50. Geburtstag, ein Jahr vor Woodstock. Das JOURNAL FRANKFURT sprach mit Gunther Lorz, dem Geschäftsführer des Festivals, das dieses Jahr vom 25. bis 28. Juli im osthessischen Breitenbach stattfindet. – Weiterlesen >>
Text: Detlef Kinsler / Foto: Graham Nash
 
 
Vom 13. Juli bis 22. September ist im Fotografie Forum Frankfurt die deutschlandweit erste eigene Ausstellung Michel Campeaus zu sehen. Noch vor der Digitalisierung widmete sich der Fotograf der analogen Fotografie, dem Zentrum seines Schaffens. – Weiterlesen >>
Text: Simge Selvi / Foto: FFF/Michel Campeau
 
 
<<
<
1  2  3  4  ...  660