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Die „Naxos Hallenkonzerte“ feierten Premiere
 

Die „Naxos Hallenkonzerte“ feierten Premiere

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Zwischen Melancholie und Ausgelassenheit

Foto: Detlef Kinsler
Foto: Detlef Kinsler
Wer wagt, gewinnt. Aber mal eben eine neue, ambitionierte Reihe starten und das als Matinee an einem Feiertag ... Doch beim ersten „Naxos Hallenkonzert“ am Sonntag gab es eine beachtliche Publikumsresonanz und ein tolles Programm dazu.
Sporadisch gab es schon Konzerte in den weitläufigen Räumlichkeiten des Theaters Willy Praml. Zum Beispiel spielten die beiden Bands seines Sohnes Gregor, Mi Loco Tango und tri.of.us schon in der Naxoshalle. Die Idee, diesen tollen Ort regelmäßig zu bespielen, ist wahrlich nicht neu. Nur fehlte bis dato die Manpower, eine Reihe in Angriff zu nehmen. Die Realisierung haben nun Jazz-Klarinettist Oliver Leicht (der als Gast bei letzten tri.of.us-Konzert dabei war) und Klassik-Pianist Leonhard Dering, der schon bei Theaterproduktionen im Haus dabei war, übernommen und die „Naxos Hallenkonzerte“ konzipiert. Für ein Industriedenkmal aus Glas, Stahl, Stein und Stirnholz und in einer einzigartigen Akustik im Rhein-Main-Gebiet wie Geiger Gidon Kremer gerne zitiert wird. „Grundsätzlich geht es schon darum, auch hier die Stile zu mischen, der Klassik auch den Ruch des Verstaubten zu nehmen und dabei – hier spielt die Halle mit hinein – neue Räume für die Klassik erschließen. Was passieren soll und kann, ist relativ weit gefächert“, erklärte Oliver Leicht im Vorfeld der Premiere. Am Pfingstsonntag also gab es das Eröffnungskonzert als Matinee und trotz des 11 Uhr-Termins an einem Feiertag beglückte der Publikumszuspruch nicht nur den Hausherrn. In seiner Begrüßung unterstrich Willy Praml noch einmal die Idee, hier Programme außerhalb jeglicher Schubladensortierung zu präsentieren und verschiedene Musikstile einander begegnen zu lassen.





Mit dem „Streichquartett F-Dur“ von Maurice Ravel eröffnete das Malion Quartett den späten Vormittag. Die vier charmanten Studentinnen der Musikhochschulen in Frankfurt und Stuttgart reizten das Potential des einzigen Streichquartetts des Franzosen in seiner ganzen Dynamik und seinem Klangfarbenreichtum aus. Vor allem der 2. Satz „Assez vif, très rythmé“ mit seinen markanten Pizzicatos strahlt eine solche Kraft in seiner spielerischen Virtuosität aus, dass man nur zu gerne mal wieder die Alliteration „Ravel ist Rock’n’Roll“ bemüht hätte, die schon vor Jahren vor einem Konzert der Labèque-Schwestern in der Jahrhunderthalle im JOURNAL FRANKFURT für Irritation gesorgt hatte. So ein Blödsinn stand dazu wohl sinngemäß im Feuilleton der Zeitung für die klügsten Köpfe der Stadt. Da konnte man nur kontert, klar ist Ravel nicht wirklich Rock’n’Roll, sondern eher Jazz was hierarchisch denkende Musikliebhaber nicht glücklicher machen konnte. Puristen sind unbelehrbar. Aber genau darum geht es auch bei den „Naxos Hallenkonzerten“. Einfach die Musik mal ganz wertfrei genießen und emotional auf sich wirken lassen. Jedenfalls gab es – eher selten in der Alten Oper – für so viel Spielwitz Beifall schon zur Halbzeit der Komposition. Die Musikerinnen nahmen das gerne hin. Nur eine ältere Dame, so war nach der Pause zu hören, habe sie wohl beim Frischmachen beschwert, so was ginge ja nun gar nicht. Leonhard Dering darauf angesprochen, kommentierte das als unkonventioneller Youngster wie folgt. Er schaue sich den Ablauf von klassischen Konzerten auch dahingehend an, um sich zu vergegenwärtigen, was es vielleicht zu vermeiden gelte wenn man selbst das Zepter in der Hand hat. In einer Location wie einer alten Fabrikhalle lässt sich ohnehin und glücklicherweise keine sterile Konzertsaalatmosphäre garantieren. Nicht nur, dass das alte Gemäuer lebt und atmet und dabei Geräusche erzeugt, hört man auch die Straße und überfliegende Flugzeuge.





Nach der Pause griff Oliver Leicht mit Klarinette und Elektronik Themen aus Ravels Komposition auf, verfremdete die Motive, spielte dank der Loop-Technologie mit sich selbst, konnte so problemlos selbst zum Quartett mutieren und zur Begeisterung der Zuhörer demonstrieren, wie man die Klarinette unter Zuhilfenahme der Elektronik und als Schlaginstrument „missbraucht“ als Geräuscherzeuger verwenden kann, um den Motiven so eine komplett andere Anmutung zu geben. Dass er sich um Schlag 12 mit den nahen Kirchenglocken konfrontiert sah, irritierte Leicht nicht im Geringsten. Das Geläut wurde einfach in die Improvisation integriert.





Mit Dvořáks „2. Klavierquartett Es-Dur op.87“ hatte dann Leonhard Dering seinen großen Auftritt. So wie bei Ravel baskische Tanzrhythmen Eingang in die Komposition gefunden haben, sind es beim Tschechen slawische „Grooves“ und Stimmungen, die zwischen Melancholie und Ausgelassenheit genügend Spielraum boten, sich pianistisch auszuzeichnen.



 
22. Mai 2018, 07.13 Uhr
Detlef Kinsler
 
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