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Deniz Yücel im Schauspielhaus
 

Deniz Yücel im Schauspielhaus

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Die Bedeutung von Freiheit

Foto: Wikimedia Commons
Foto: Wikimedia Commons
Über ein Jahr saß der Journalist Deniz Yücel in der Türkei im Gefängnis. Sein Buch, in dem er seine Erfahrungen niedergeschrieben hat, stellte er am gestrigen Mittwoch im Schauspiel Frankfurt vor. Ein Buch über Demokratie und Nichtsodemokratie, über Freiheit und Nichtsofreiheit.
Als Agentterrorist beschimpfte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan damals den deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel und genau so heißt nun auch sein bei Kiepenheuer und Witsch erschienenes Buch. Darin hat er aufgeschrieben, was er in einem Jahr in türkischer Haft erlebt hat. Anlässlich der Buchmesse stellte Yücel zusammen mit Moderator Michel Friedmann das Buch im ausverkauften Schauspiel Frankfurt vor.

Spätestens seit der Kampagne #FreeDeniz kennen Millionen von Menschen den Fall: Vom 27. Februar 2017 bis 16. Februar 2018 befand sich Deniz Yücel wegen angeblicher Terrorpropaganda in türkischer Untersuchungshaft. Doch die Geschichte beginnt bereits vor der Festnahme im Februar 2017: Im Dezember 2016 wurde bekannt, dass gegen Yücel ein Haftbefehl vorliegt. Die Festnahme stand im Zusammenhang mit E-Mails des Energieministers und Schwiegersohn Erdogans, die von dem türkischen Hacker-Kollektiv Red Hack veröffentlicht wurden, Yücel hatte über die Mails zwei Artikel in der Zeitung Die Welt verfasst. Yücel erzählt an diesem Abend im Schauspiel Frankfurt davon, wie er sich mit einem Kollegen beraten hat und schließlich in der Residenz des deutschen Botschafters in Istanbul untergetaucht ist, wie er sich nicht einmal selbst Essen bestellen durfte und von der schwierigen Suche nach türkischen Anwälten, die sich mit Medienrecht auskannten.

Doch selbst als Angela Merkel die Situation unter vier Augen bei Erdogan ansprach, passierte nichts. „Mir war wichtig, dass ich nicht ‚den Assange‘ mache“, sagt Yücel. Also stellte er sich selbst bei der türkischen Polizei – und kam dort in Haft. Genau dort steigt Yücel bei seiner Lesung ein. Er erzählt von Gesprächen mit den anderen Insassen und davon, wie einer von ihnen so lange gefoltert wurde, bis er die Tat, die ihm vorgeworfen wurde, gestand. Einer der Insassen sagte zu ihm, er müsse aufschreiben, was ihnen widerfährt. „Na klar, wir sind ja nicht zum Spaß hier“, lautete Yücels Antwort.

Doch Stift und Papier sind verboten und so lässt Yücel eine Ausgabe von „Der kleine Prinz“ ins Gefängnis schmuggeln und schreibt um die Zeichnungen herum. Dieser Text, in dem er die Zustände in der türkischen Haft beschreibt, erschien am 26. Februar 2017 in der Welt. „Der Tag, an dem dieser Text erscheint, ist mein letzter im Polizeipräsidium“, schreibt Yücel. Am 27. Februar kommt Yücel in das Hochsicherheitsgefängnis Silivri.

„Wichtig war mir immer, von diesem Scheiß hier, von diesem Gefängnis, so wenig wie möglich in mir zu tragen“, sagt Yücel. Er habe viele seiner Gefühle daher nicht zugelassen. Anders als die Bundesregierung glaubt Yücel nicht, dass die #FreeDeniz-Kampagne ihm geschadet hat. Zu sehen, dass die anderen Menschen nicht über seine Situation schweigen, habe ihm persönlich viel bedeutet.

Nicht die 368 Tage Haft machten Deniz Yücel weltweit bekannt, sondern das, wofür die Festnahme des deutsch-türkischen Journalisten steht. Es geht um Demokratie und Nichtsodemokratie, um Freiheit und Nichtsofreiheit. Dass man in der Türkei nicht mehr von Pressefreiheit sprechen kann, darüber sind sich Michel Friedmann und Deniz Yücel einig. In Zeiten, in denen in Deutschland das Wort „Lügenpresse“ immer häufiger gebraucht wird und es Parteien im Bundestag gibt, die die Pressefreiheit infrage stellen, bekommt das Niedergeschriebene von Yücel eine noch größere Bedeutung. „Ich bin einfach nur froh, dass du heute Abend hier bist“, sagt Friedmann am Ende des Abend – dem kann sich wohl nur jeder Journalist beziehungsweise jede Journalistin anschließen.
 
17. Oktober 2019, 13.37 Uhr
Elena Zompi
 
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