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Debatte um Städtische Bühnen geht weiter
 

Debatte um Städtische Bühnen geht weiter

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Ina Hartwig: „Ziel muss am Ende des Tages ein architektonisch überzeugendes Ergebnis sein“

Foto: Journal Frankfurt
Foto: Journal Frankfurt
Am Donnerstagabend stellte Michael Guntersdorf im Kulturausschuss den aktuellen Arbeitsstand der Stabsstelle Städtische Bühnen vor. Die Anmerkungen der Stadtverordneten machten deutlich, dass die Wünsche teils weit auseinander gehen.
Sanierung oder Neubau? Die Debatte um die Zukunft der Städtischen Bühnen tobt nun bereits seit einer ganzen Weile; noch immer ist unklar, ob Schauspiel und Oper am Willy-Brandt-Platz bleiben werden oder ob sich ein Neubau gegen eine kostspielige Sanierung durchsetzen kann. Um eine sinnvolle Entscheidung treffen zu können, wurde im September durch das Kulturdezernat eine Stabsstelle eingerichtet, der Michael Guntersdorf, Geschäftsführer der DomRömer GmbH, vorsitzt. Am Donnerstagabend sprach Guntersdorf im Kulturausschuss vor, um zum aktuellen Stand Auskunft zu geben. „Die Stabsstelle hat ihre Arbeit aufgenommen“, sagte der DomRömer-Chef den anwesenden Stadtverordneten. „Wir haben ein sehr gutes Team zusammengestellt, das in der Zusammenarbeit harmoniert.“ Gute Voraussetzungen also für schnelle Fortschritte.

Guntersdorf zeigte sich selbstbewusst, dass man den gesetzten Zeitplan einhalten und spätestens kurz nach der Sommerpause Ergebnisse präsentieren könne. Noch sei es jedoch zu früh, um eine Einschätzung mitzuteilen, ob eine Sanierung unter Wahrung des Bestandsschutzes möglich sei. „Wir müssen über die Überlegungen um die eigentliche Baukonstruktion hinausgehen und uns Gedanken darum machen, was in den kommenden 20 oder 30 Jahren notwendig sein wird. Wir sind nicht daran interessiert, nur den Status Quo zu erhalten. Die Städtischen Bühnen müssen zukunftsfähig bleiben – auch technisch und funktional – daher kann es nicht nur um das Gebäude gehen“, sagte er. Bezüglich der zu erwartenden Kosten will Guntersdorf aktuell noch keine Prognose geben. Allgemein wird erwartet, dass ein Neubau rund 900 Millionen Euro verschlingen würde. Die Hoffnung der Stadtverordneten ist daher, dass eine Sanierung des bestehenden Gebäudes günstiger ausfallen könnte. Ob dies der Realität entspricht, könne Guntersdorf jedoch noch nicht abschätzen.

Trennung von Oper und Schauspiel denkbar

Auch Kulturdezernentin Ina Hartwig zeigte sich im Sinne der Qualitätssicherung von Schauspiel und Oper offen für eine neue Gebäudesituation, eine Trennung der Häuser sei grundsätzlich denkbar – mit einer Einschränkung: „Ich stehe dieser Idee offen gegenüber, mindestens eine Sparte muss jedoch am Willy-Brandt-Platz bleiben. Wenn ein anderes passendes innenstadtnahes Grundstück gefunden würde, könnte ich mir eine Trennung von Oper und Theater gut vorstellen. Ziel muss am Ende des Tages ein architektonisch überzeugendes Ergebnis sein, im Einklang mit der dynamischen Entwicklung der kulturellen Stadtlandschaft. Ziel muss ferner sein, das Niveau der hervorragenden künstlerischen Arbeit beider Häuser nachhaltig zu sichern und zukunftsfähig zu machen.“

Der innenstadtnahe Standort auch bei einer Trennung sei wichtig, da sowohl Schauspiel als auch Oper zentrale Spielstätten seien, die gut erreichbar sein müssten. Dennoch habe man vor, auch abgelegenere Grundstücke zu prüfen, wenn sich abzeichnen sollte, dass ein Neubau notwendig wird. Immer wieder im Gespräch und auch in der gestrigen Kulturausschusssitzung Thema, ist ein möglicher Neubau am Osthafen. Dafür spricht sich vor allem Thomas Dürbeck, kulturpolitischer Sprecher der CDU, aus. Er könne sich sogar einen Umzug beider Institutionen an den Osthafen vorstellen, sagte er im Ausschuss. „Das Osthafen-Grundstück ist etwa dreimal so groß wie das am Willy-Brandt-Platz. Die Auslagerung muss geprüft werden“, sagte Dürbeck.

Interimslösung soll vermieden werden

Eine der Leitlinien bei der Debatte müsse laut Dürbeck außerdem sein, eine Interimslösung zu vermeiden, da diese dem künstlerischen Betrieb schaden und zudem hohe Kosten verursachen würde: „1100 Mitarbeiter interimsweise in Frankfurt unterzubringen, wird nicht möglich sein.“ Zumindest diesbezüglich scheinen die meisten der Stadtverordneten einig zu sein. Mathias Mund, Vorsitzender der BFF-Fraktion, stimmte Thomas Dürbeck zu, dass eine Interims-Lösung vermieden werden müsse. Zudem betonte er, dass zwei getrennte Standorte auch eine städtebauliche Chance darstellen könnten, indem man beispielsweise für die Oper ein architektonisches Highlight schaffe. Michael Müller (Die Linke) mahnte dazu an, den Wert des aktuellen Standorts nicht zu unterschätzen: „Der bisherige Standort am Willy-Brandt-Platz ist ein Wert an sich, der von den Menschen in dieser Stadt geschätzt wird und daher in vollem Umfang erhalten bleiben sollte. Es stünde uns gut zu Gesicht, wenn wir diesen perfekten Standort mitten in der Stadt erhalten würden.“

Kulturdezernentin Ina Hartwig appellierte angesichts der auseinandergehenden Meinungen an die Stadtverordneten, die „persönlichen Phantasien von den Fragen nach der Machbarkeit zu trennen“ – und brachte gleich eine weitere Phantasie ins Spiel, nämlich die Möglichkeit, eines der Häuser auf dem Kulturcampus in Bockenheim anzusiedeln. Wie die Lösung letztendlich aussehen wird, lässt sich auch an diesem Punkt der Debatte nicht sagen. Hartwig unterstrich abschließend, was Michael Guntersdorf bereits zu Beginn des Kulturausschusses gesagt hatte: „Wir wollen ein modernes Theater entwickeln, das langfristig den Anforderungen entspricht.“
30. November 2018
Ronja Merkel
 
Ronja Merkel
Jahrgang 1989, Kunsthistorikerin, von Mai 2014 bis Oktober 2015 leitende Kunstredakteurin des JOURNAL FRANKFURT, seit September 2018 Chefredakteurin. – Mehr von Ronja Merkel >>
 
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