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Das Vivaldi-Experiment
 

Das Vivaldi-Experiment

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Barock’n’Roll

Foto: Detlef Kinsler
Foto: Detlef Kinsler
Schüler für klassische Musik zu begeistern, dafür steht in diesem Jahr „Das Vivaldi-Experiment“ der ARD. Die „Vier Jahreszeiten“ erklingen am Freitag nicht nur in Köln mit Rapper MoTrip, sondern auch im hr-Sendesaal.
„Wer will der Wind, der Blitz, der Donner sein?“ fragt die Frankfurter Perkussionistin Anne Breick in die Runde und muss nicht lange auf eine Antwort warten. „Ich“, „Ich“, Ich“ schallt es ihr im Musikraum der Fürstenbergerschule aus vielen Kehlen zurück. Hier wird geprobt für „Das Vivaldi-Experiment“. Einmal im Jahr veranstaltet die ARD mit den regionalen Anstalten ihr bundesweites Musikprojekt, mit dem Schüler in ganz Deutschland für klassische Musik begeistert werden sollen. Das zentrale Konzert mit dem WDR Funkhausorchester und dem Rapper MoTrip findet am Freitag in Köln statt. Es wird auch um 11 Uhr nach Frankfurt in den Sendesaal des Hessischen Rundfunks übertragen. Auch die hr-Bigband und das hr-Sinfonieorchester haben sich mit unterschiedlichen Schulworkshops zu Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ beteiligt. Krönender Abschluss ist die Präsentation der Schülerprojekte am Freitag, 30. September, um 9 Uhr im hr-Sendesaal. Fünf Schulen waren 2016 beteiligt, die Leibnizschule in Wiesbaden, die Immanuel-Kant-Schule in Rüsselsheim und in Frankfurt die Max-Beckmann-, die Muster- und die Fürstenbergerschule.

Natürlich wird Vivaldi konzertant zu Gehör kommen. Die Musterschüler führen den 1. Satz aus dem „Doppelkonzert für 2 Violinen und Orchester in a-Moll“ auf, das hr-Sinfonieorchester den kompletten „Herbst“. Breick und ihre Sechs- bis Neuntklässler aus zehn Nationen haben sich eine besondere Aufgabe gestellt, nämlich die Musik nur mit Trommeln umzusetzen. „Vivaldi und Perkussion würde ja normalerwiese keiner verbinden“, weiß die Musikerin (Kick La Luna) und Dozentin. „Wir haben hier Schüler, die sind Streicher oder spielen Querflöte. Die dachten wir spielen die Melodien. Ich musste ihnen sagen, nein, nein, das machen die Orchester, wir sind nur für die Perkussionversion zuständig“, erinnert sich Breick. „Ich musste da alles auf zwei Töne reduzieren, der arme Vivaldi“, lacht sie und demonstriert es verbal und lautmalerisch: „Puff-da-da, du-da-da ...“. Mit ihren vier Instrumentengruppen – in der ersten Reihe stehen die Cajones, in der zweiten die Congas, in der dritten die Surdus und der Mr. Bongoman, die vierte ist die Soundreihe mit Snare, Becken und Shakern – hat Breick da „eine halbe Sambaband“ zur Verfügung, eine „perkussive Bigband“.

Ist denn überliefert ob Vivaldi mal in Brasilien war? „Keine Ahnung“, bekennt Breick. Eine ernsthafte Frage gleich hinterher. Wie groovt denn der Barock? „Ich hätte tatsächlich nicht gedacht, dass es so viel Groove bei Vivaldi gibt. Ich hätte saugerne auch den Herbst gemacht, aber der ist rhythmisch zu komplex, aber auch ein ziemlicher Ohrwurm. Wir mussten eher alles vereinfachen, aber trotzdem phantasievoll umsetzen. Es war eine tolle Herausforderung. Ich würde es jederzeit wieder machen. Nur beim nächsten Mal eben dann gerne auch den Herbst und Winter.“ Die Qualität der Musikklassen an der Fürsterbergerschule kennt Breick, weil sie seit acht Jahren schon als Lehrbeauftragte an der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst immer zum „Musik Monat Mai!“ hinzustößt, wo den jungen Menschen die Wichtigkeit des Musizieren vermittelt werden soll. „Ich treffe da auf eine tolle Klasse dank einer ganz tollen, engagierten Musiklehrerin. Ohne Frau Wagner-Neubert wäre das alles nicht möglich gewesen“, lobt die Vortrommlerin.
29. September 2016
Detlef Kinsler
 
Detlef Kinsler
Weil sein Hobby schon früh zum Beruf wurde, ist Fotografieren eine weitere Leidenschaft des Journal-Frankfurt-Musikredakteurs, der außerdem regelmäßig über Frauenfußball schreibt. – Mehr von Detlef Kinsler >>
 
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