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Aus für Berger Kino
 

Aus für Berger Kino

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Corona und Streaming als Gefahr? Über die Zukunft des Kinos

Foto: Harald Schröder
Foto: Harald Schröder
Nach 40 Jahren sieht Harald Metz keine Zukunft mehr für das Berger Kino. Schuld daran ist nicht nur Corona. Vor allem die Streaming-Dienste sieht Metz als Gefahr. Für Christopher Bausch, Geschäftsführer der Arthouse Kinos, ist das Kino aber noch lange nicht tot.
Nach 40 Jahren musste Harald Metz das Berger Kino schließen. Wegen der Corona-Pandemie liefen schon seit dem ersten Lockdown im März keine Filme mehr über die Leinwände des Programmkinos in Bornheim. Die kürzlich getroffene Vereinbarung zwischen Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn (Bündnis 90/Die Grünen) und den fünf großen Bühnen in Hessen, den Spielbetrieb erst an Ostern wieder aufzunehmen, habe auch den Kinos wenig Hoffnung auf eine baldige Öffnung gemacht.

„Durch Corona ist die Kinobranche sehr gebeutelt“, sagt auch Christopher Bausch, Geschäftsführer der Arthouse Kinos Frankfurt. Sein Team ist aktuell fast komplett in Kurzarbeit. Bausch hofft nun auf eine Öffnung der Kinos zu Ostern. „Wir überlegen uns jetzt schon einige Aktionen, mit denen wir die Leute dann ins Kino holen können.“ Bereits im Juli, als die Kinos kurzzeitig wieder öffnen durften, seien die Vorstellungen in Harmonie und Cinéma immer ausverkauft gewesen – wenn auch mit weniger verfügbaren Plätzen.

Streaming-Dienste in Pandemie im Vorteil

Nicht nur die Corona-Pandemie führte bei Harald Metz zu der Entscheidung, sein Kino im vergangenen Sommer nicht zu öffnen und nun komplett zu schließen. Es ist noch ein anderer Gedanke, der Metz schon lange vor der Pandemie umgetrieben hatte. Denn Streaming-Dienste wie Amazon und Netflix machen den Kinos seit Jahren zunehmend Konkurrenz. Schon 2013 hätten die Regisseure Steven Spielberg und George Lucas vor dem Aufkommen der Streaming-Dienste und einem möglichen Nischen-Dasein der Kinos gewarnt, so Metz. Damals hätte er die Aussagen von Spielberg und Lucas nicht so ernst genommen. „Wenn man heute darüber nachdenkt, wird einem aber schon mulmig.“ Im Jahr 2018 habe ein Interview mit Regisseur Martin Scorsese Metz erneut zum Nachdenken gebracht. Damals erzählte Scorsese, wie er mehrere Jahre versucht hatte, seinen Film „The Irishman“ von einem Studio finanziert zu bekommen und schließlich erst von Netflix eine Zusage bekam. Scorsese erklärte damit das Ende des klassischen Kinos. „Dass dann mit ‚Roma‘ ein Film drei Oscars gewonnen hat, obwohl er kaum in einem Kino gelaufen ist, kam für mich noch verschärfend hinzu“, so Metz.

Durch die Schließung der Kinos während der Pandemie sieht Metz die Streaming-Dienste nun erneut am längeren Hebel. Studios wie Disney oder Warner Bros. sind mit ihren Filmen „Mulan“ und „Wonder Woman 1984“ bereits auf die eigenen Streaming-Dienste ausgewichen. Während „Mulan“ exklusiv auf Disney Plus lief, war „Wonder Woman 1984“ parallel zum Kinostart in den USA auf HBO Max verfügbar. „Meine Erfahrung aus 42 Jahren Kino zeigt: Wenn ein amerikanisches Megastudio wie Warner einmal etwas Neues eingeführt hat, haben die anderen das ganz schnell übernommen. Und genau das passiert im Moment“, so Harald Metz. Christopher Bausch sieht darin jedoch keine große Gefahr für die Kinobranche. „Ich kann die Entscheidung der Studios verstehen, die Filme auf den eigenen Streaming-Diensten zu spielen, wenn die Kinos geschlossen haben.“ Es sei nachvollziehbar, dass die Studios sich während Corona ausprobieren würden. „Auf lange Sicht können sie aber nicht auf die Kinos verzichten“, meint Bausch. Denn dafür würden die Kinokassen nach wie vor zu viel Geld einspielen.

Kino als gemeinsames Erlebnis

Auch für die Zeit nach Corona ist Bausch daher zuversichtlich. „Natürlich sind wir immer von der Ware abhängig. Das heißt, selbst wenn wir Ostern wieder öffnen könnten, aber in den USA und Großbritannien die Kinos noch geschlossen sind, werden auch keine großen Filme nach Deutschland kommen“, so Bausch. Dennoch rechnet er nach einer kurzen Anlaufphase mit einem „tollen Kinojahr, weil dann nicht nur die Filme kommen, die eigentlich schon 2020 hätten starten sollen, sondern auch die, die sowieso für 2021 geplant waren.“

Selbst, wenn diese Filme parallel gestreamt werden sollten, sieht Bausch das Kino in zwei Punkten im Vorteil. „Wir kuratieren Filme. Wir sehen sie uns vorher an und suchen sie gezielt aus“, bei den Streaming-Diensten sei das nicht der Fall. Und auch mit der Atmosphäre im Saal könnten Kinos gegenüber Streaming-Diensten punkten. „Ein Film funktioniert anders, wenn man ihn mit 150 Leuten zusammen in einem Saal schaut, gemeinsam lacht und gemeinsam weint und hinterher mit Freunden noch einen Wein trinkt und über den Film spricht“, so Bausch. „Die Leute sehnen sich danach, rauszugehen. Ich glaube, sie haben jetzt auch einfach genug Netflix und Amazon geguckt und sind damit jetzt durch.“

Metz: „Spannendste Zeit überhaupt“

Harald Metz sieht der Zeit nach Corona dagegen weniger optimistisch entgegen, denn durch das parallele Streaming gehe die Exklusivität der Kinos verloren. Ohne diese Exklusivität könne man davon ausgehen, dass sich die Besucherzahlen halbieren, so Metz. Zudem würden nicht alle Filme parallel in Kino und Stream gespielt. „Sicher wollen die Leute wieder raus, aber wenn man einen bestimmten Film sehen will und er läuft im Kino nicht, hilft auch die Atmosphäre nicht mehr.“

Obwohl Harald Metz in 40 Jahren im Berger Kino viel erlebt hat, ist die heutige Zeit für ihn „die spannendste überhaupt“. „Im Moment tut sich in der Filmbranche einfach am meisten – leider aber nicht nur im Guten“, so Metz. Auch Christopher Bausch verfolgt mit Spannung, was aktuell in der Filmbranche passiert. Negativ möchte er das aber nicht sehen: „Ich habe keine Angst vor Netflix. Kino ist die beste Art, einen Film zu partizipieren.“
 
20. Januar 2021, 13.30 Uhr
Laura Oehl
 
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