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Auf den Spuren der Schau "Street Art Brazil"

Wo sind die Graffiti hin?

Im Herbst präsentierte die Schirn ihre Ausstellung „Street-Art Brazil“. Die Kunstwerke waren an Gebäuden in der ganzen Stadt zu sehen. Übrig geblieben ist von ihnen heute nicht mehr viel. Warum eigentlich?
Als Gastland der Frankfurter Buchmesse ergriff Brasilien im vergangenen Jahr die ganze Stadt. Auch die Schirn Kunsthalle konzipierte eine Ausstellung im Zeichen der brasilianischen Street-Art-Szene. Unter dem Namen Street-Art Brazil verzierten elf Künstler aus São Paulo, Curitiba und Rio de Janeiro Gebäude in Frankfurt mit ihren Graffiti-Werken.

Auf der ganzen Welt gilt Graffiti als Straftat. In Brasilien hat die Street-Art-Szene mittlerweile aber große Anerkennung erlangt. In den 1980er-Jahren etablierten sich die Graffiti in den brasilianischen Großstädten und sind dort bis heute allgegenwärtig. Für die Künstler sind ihre Werke zu einer Art Sprachrohr geworden. Im Rahmen der Ausstellung „Street-Art Brazil“ wollte die Schirn genau diese Bedeutung der Graffiti und deren Vielfalt vermitteln. Eine schöne Idee und auch gut konzipiert, denn die Kunstwerke konnte man von September bis Oktober an zentralen Orten Frankfurts bewundern und wer die Stadt vorher noch nicht kannte, tat das spätestens danach.

An vielen der ehemaligen Ausstellungsorte ist heute allerdings schon keine Spur mehr von den brasilianischen Kunstwerken. Sie wurden nach Ende der Ausstellung wieder entfernt. Aber warum? Schließlich sah ein Großteil der Gebäude mit den Street-Art-Werken um einiges besser aus als ohne sie.

„Die Ausstellung war von Anfang an so konzipiert, sie hatte ein Anfang- und ein Enddatum“, sagt Pamela Rohde von der Schirn. Die Flächen seien Eigentum von Land, Stadt und Privatpersonen. „Es wurde ihnen freigestellt, die Werke nach Ende der Ausstellung wieder entfernen zu lassen“, so Frau Rohde weiter. Die Gebäude seien vorher auch extra so präpariert worden, dass man die Graffiti im Nachhinein wieder problemlos entfernen konnte.

Einer der vielen Ausstellungsorte war das Glasportal der Deutsche Bank-Zentrale in der Taunusanlage. Hier prangte ein riesiges, so genanntes „Monster Painting“ von Fefe Talavera aus São Paulo. Aus selbstgedruckten Buchstaben schaffte sie einen großen bunten Drachen, der in seiner Form direkten Bezug auf die beiden Türme der Deutschen Bank nahm. Doch als „Street-Art Brazil“ ihr Ende fand, wurde der Drache wieder entfernt. Die Deutsche Bank begründet das auch damit, dass das Portal regelmäßig für Kunstaktionen genutzt werde. „Street-Art Brazil“ sei bereits die vierte Ausstellung gewesen, in die das Glasportal einbezogen wurde und man wolle auch in Zukunft Raum für solche Werke bieten.

Auch an der Außenwand der Matthäuskirche in der Friedrich-Ebert-Anlage konnte man eines der Graffiti finden. Zu seiner Wandmalerei ließ sich der Künstler Speto von einem Cordel-Gedicht über einen merkwürdigen Tag im Leben eines Motorradkuriers inspirieren. Er vermischte in seinem Bild unter anderem christliche Motive mit afrikanischer Kultur. „Wir fanden das Kunstwerk sehr schön und es hat auch einige Aufmerksamkeit auf sich und unsere Kirche gezogen“, sagt Pfarrerin Jutta Jekel. Doch aus finanziellen Gründen musste auch die Kirchengemeinde das Graffiti wieder entfernen lassen. „Die Schirn hatte im Vorfeld allen angeboten, die Werke nach Ende der Ausstellung selbst wieder zu entfernen. Hätten wir es noch länger dran gelassen, hätte es durch die Witterung spätestens nach einem halben Jahr einfach nicht mehr schön ausgesehen und dann hätten wir es selbst entfernen müssen. Doch dafür fehlen uns die nötigen finanziellen Mittel“, erzählt Jekel.

Doch auch die Schirn selbst, entfernte brasilianische Kunst von ihren Wänden. Das Außentreppenhaus der Schirn zierte ein Bild von Jana Joana und Vitché. Die Fassadengestaltung der Schirn sei architektonisch so angelegt, dass sie sowohl aus weißen als auch aus grauen Sichtbetonflächen besteht. Dieses Konzept habe man erhalten wollen und so musste das Graffiti nach Ende der Ausstellung wieder entfernt werden, so Pamela Rohde.

Das alte Gebäude der Sparkasse in der Neuen Mainzer Straße steht seit mehr als einem Jahr leer. Auch seine Außenwand war Ausstellungsort für Street-Art Brazil. Dort thronte ein Werk des Künstlers Onesto aus São Paulo, der durch seine Graffiti mit den Menschen auf der Straße in Kontakt treten will. Seine Bilder konzentrieren sich auf politische Themen, wie die Arbeit oder das Bildungssystem in Brasilien und übermitteln Onestos Gedanken. Auch dieses Werk wurde nach dem Ende der Ausstellung wieder entfernt. Grund dafür sei, dass man sich für das leerstehende Gebäude alle Optionen offen halten wolle – sei es ein Verkauf oder eine anderweitige Verwendung vom Unternehmen selbst – erklärt Sven Matthiesen, Pressesprecher der Frankfurter Sparkasse.

Mittlerweile hat ein hiesiger Sprayer die neue Freifläche genutzt – allerdings mit einem Werk, das eine weitaus weniger tiefgründige Aussage hat und das Gebäude nicht unbedingt ansehnlicher macht (Update: Wie uns ein Leser mitteilt, war das Graffiti schon vorher da und kam jetzt hinter dem brasilianischen Kunstwerk wieder zum Vorschein - das ist ja noch ironischer als wir dachten. Hier mehr dazu.)

Ähnlich wie den Gebäuden von Deutscher Bank, Matthäuskirche und Sparkasse geht es auch den meisten weiteren Ausstellungsorten von „Street-Art Brazil“. Wo im letzten Jahr noch ein farbenfrohes Kunstwerk prangte, besteht jetzt nur noch gähnende Leere. Doch in manchen Ecken der Stadt findet sich doch noch das ein oder andere brasilianische Souvenir. So zum Beispiel an einer Hauswand in der Niddastraße oder an der Decke des östlichen Arkadengangs der Schirn. Dieses soll, laut Aussage der Kunsthalle, auch noch eine Weile dort bleiben.
 
10. Februar 2014, 11.24 Uhr
Laura Oehl
 
 
Fotogalerie: Adieu, Street-Art Brazil ...
 
 
 
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