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Kultur
 
35 Jahre Tankard
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Von Wacken bis Malaysia
Foto: Tankard
Foto: Tankard
Wen interessiert in Frankfurt, wenn die Toten Hosen 35 werden ... Wir feiern hier bei Bier und Apfelwein die standhaften Thrash Metal-Helden von Tankard während Campino bei „Markus Lanz“ den Selleriedrink favorisiert.
JOURNAL FRANKFURT: Man muss die Feste feiern wie sie fallen. Und wenn´s ganz krumme Geburtstage sind. 35 Jahre feiern übrigens auch die Toten Hosen. Um die wird noch mehr Hype gemacht. Reicht euch die Aufmerksamkeit, die euch zuteil wird?

Gerre: Man muss auch immer überlegen, was für Musik wir machen. Die war nie, ist es im Moment nicht und wird auch nie massenkompatibel sein. Von daher: im Rahmen unseres Genres sind wir sehr zufrieden. Wir sind ja jetzt mit der dritten Platte bei Nuclear Blast. Das ist das größte Heavy Metal-Label auf der Welt und da ist schon eine ganz andere Power dahinter was Promotion betrifft. Von daher sind wir da sehr zufrieden. Wir müssen auch nicht jeden Tag auf der ersten Seite der BILD Zeitung stehen ...

Früher habt ihr promotiontechnisch immer gepunktet mit exotischen Auslandsauftritten. Gibt es die immer noch und seid ihr immer noch so viel on the road wie früher oder ist es ruhiger um Tankard geworden?

Wir sind nach wie vor alle noch berufstätig nebenbei. Von daher ist es schwierig mit länger zusammenhängenden Tourneen, wir spielen aber so viel wie es geht, insbesondere an den Wochenenden, jetzt im Sommer steht uns auch die Festivalsaison bevor. Exotische Dinge stehen dieses Jahr auch wieder an, die erste Show unseres Lebens in Malaysia ...

Darf man da trinken?

Das wissen wir nicht, aber wir werden Mittel und Wege finden, einen normalen Tankard-Auftritt zu gestalten (lacht) ... Das ist dann erst das dritte Mal, dass wir in Asien spielen. Wir waren einmal in Japan für zwei Shows und einmal in Thailand – das sind dann schon Leckerlis. Dann stehen wir wieder in Verhandlung, dass wir nächstes Jahr wieder bei den „70.000 Tons of Metal“ auf dem Schiff spielen können, das von Miami startet. Das würde uns auch wieder viel Spaß machen. Dafür würden wir dann auch gerne wieder unseren privaten Urlaub opfern. Was die Festivals betrifft, da spielen wir dieses Jahr das erste Mal seit 16 Jahren wieder in Wacken, das waren wir lange abstinent. Es geht immer weiter.

An Selbstironie hat es euch ja noch nie gemangelt, jetzt kokettiert ihr mit eurem Alter. „One Foot In The Grave“ heißt bezeichnenderweise euer neues Album, das Motto lautet „Senil mit Stil“ ... Tun die Knochen schon weh beim Hochleistungssport auf der Bühne, lässt die Textsicherheit nach und braucht es bald das Publikum als Souffleure?

Die Textsicherheit lässt ganz sicher nicht nach, mein Credo war immer, sobald ich einen Teleprompter brauche, höre ich auf. Das meine ich aber auch ernst. Wenn die Texte nicht mehr in den Kopf gehen, dann ist es auch wirklich vorbei. Wir werden natürlich auch oft gefragt, ob das jetzt unsere letzte Platte ist und das Ende der Band? Dem ist natürlich nicht so, das ist mit einem Augenzwinkern zu sehen, Die Band ist jetzt 35 Jahre alt, der Frank ist schon 50, ich wurde jetzt 50 – das ist eine gute Gelegenheit, mal einen kleinen Break zu machen und dann die nächsten 35 Jahre einzuläuten. Denn ohne uns jetzt selbst zu sehr auf die Schulter zu klopfen, sind wir doch ein bisschen stolz drauf, mit so einer extremen Musik seit 35 Jahren unterwegs zu sein und nie aufgegeben zu haben obwohl Thrash Metal (mit h wohlgemerkt) nicht immer angesagt war.

Campino hat sich bei „Markus Lanz“ stark gemacht für den Selleriedrink. Ihr seid noch immer die apfelweintrinkenden Bier-Promoter. Und der Whiskey fehlt auch nicht im zum Einkaufswagen umfunktionierten Rolator. Also immer noch R.I.B. (Rest in beer) oder seid ihr längst Antialkoholiker und Veganer?

Nein, bei uns gibt es keine Veganer in der Band und unser Image haben wir uns damals in den Achtzigerjahren selbst eingebrockt. Wir haben versucht in den Neunzigern davon wegzukommen, da sind wir fatal gescheitert damit und heutzutage kokettieren wir natürlich damit, da ist viel Selbstironie. Ja natürlich wird hin und wieder mal richtig gefeiert, aber natürlich nicht so wie mit 20. Heute sieht man backstage einen Tankard-Musiker auch mal ein Buch lesen. Es ist bei uns nicht rund um die Uhr Party. Es geht auch gemächlicher zu.

Zwischen eher genretypischen Statements wie „Don’t Bullshit Us!“ und Figuren wie dem Undead King in den Songs springt ein Titel sofort ins Auge: „Syrian Nightmare“. Ist da ein klares politisches Bekenntnis?

Es ist auf alle Fälle ein Statement. Wenn man heutzutage Nachrichten guckt, kann einem ja Angst und Bange werden in der Zeit, in der wir leben. Und in Syrien herrscht seit sechs Jahren ein absolut krasser Bürgerkrieg, da haben so viele Nationen ihre Finger im Spiel mit den unterschiedlichsten Interessen, aber nichtsdestotrotz die Welt guckt einfach dem Abschlachten zu und das ist, was uns traurig macht, aber auch wütend. Deswegen ist das der aggressivste Song der Platte. Wir haben versucht, auch auf der neuen Platte wieder eine gute Mischung hinzukriegen zwischen ernsten und spaßigen Sachen, nur in der Zeit, in der wir leben, fallen die ernsteren Sachen viel mehr ins Gewicht und wir werden auch viel mehr darauf angesprochen, ob Tankard nun ernst geworden sei? Es ist schon strange, wenn man abends die Nachrichten anmacht und man sieht wer wo in welchem Land Präsident ist, wo es überall Konfliktherde gibt, all der Terrorismus. Wir sind nicht nur eine reine Spaßband, wir laufen ja auch mit offenen Augen durch die Welt. Und da kommen dann auch solche Texte heraus.

Das Album kommt Anfang Juni heraus, im Sommer habt ihr natürlich Festivalauftritte, so auch beim Klassiker in Wacken; das Jubiläumskonzert gibt es erst viel später im Jahr, am 29. Dezember im Batschkapp. Da gibt es dann das Tankard & Friends Festival. Wollt ihr schon verraten was genau ihr das vorhabt...

Wir wissen es eigentlich noch gar nicht so genau ... Es war natürlich eine traditionelles Tankard-Konzert werden, mit Songs aus allen Phasen der Band und natürlich auch neuen Songs von der neuen Scheibe. Wir haben ganz viele befreundete Bands eingeladen und ich glaube, dass das ein rundes Ding wird. Wir werden keine große Pyroshow oder so was auffahren, den einen oder anderen Gimmick wird es schon geben.

Eines jedoch scheint klar: bei Konzerten gibt´s für die Fans immer noch eins auf die Ohren... Laut, hart und schnell. Ohne das geht es bei Tankard nicht ...

Genau so sieht’s aus ...



>> Tankard-Release-Party, Ffm-Sachsenhausen, Speak Easy, 2.6., 21 Uhr
14. Mai 2017
Detlef Kinsler
 
Detlef Kinsler
Weil sein Hobby schon früh zum Beruf wurde, ist Fotografieren eine weitere Leidenschaft des Journal-Frankfurt-Musikredakteurs, der außerdem regelmäßig über Frauenfußball schreibt. – Mehr von Detlef Kinsler >>
 
 
Fotogalerie:
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