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"Aids ist ein Unfall der Evolution"
 

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"Aids ist ein Unfall der Evolution"

Er ist erst 28 Jahre jung. Seine Hobbys sind Tischtennis und Kino. Tischtennis meistens in der Mittagspause – Kino nur, wenn er mal Zeit hat und nicht im Ulmer Virologischen Institut dem tückischen HI-Virus auf der Spur ist. Michael Schindler (Foto), von Haus aus Biologe und medizinischer Quereinsteiger, hat in seinem kurzen Leben eine rasante Karriere zurückgelegt, mit Auszeichnungen in Deutschland und den USA. Und in der gleichen Zeit auch noch eine Familie gegründet: 2005 kam Tochter Eleana zur Welt.
Am 14. März erhält Schindler in der altehrwürdigen Paulskirche den mit 60.000 Euro höchstdotierten wissenschaftlichen Nachwuchspreis Deutschlands, vergeben von der renommierten Paul- Ehrlich-Stiftung für „herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Biomedizin“. „Die Menschheit ist einem ganz unglücklichen Zufall zum Opfer gefallen“, sagt er über die Krankheit, die die Welt wie keine andere in kürzester Zeit verändert hat.
Die Entstehung der Immunschwächekrankheit, der pro Jahr über drei Millionen Menschen zum Opfer fallen, hält Schindler für einen „Unglücksfall der Evolution“. Aids ist entstanden, indem Viren von Schimpansen auf den Menschen übertragen wurden. Etwa 40 unterschiedliche Primatenarten tragen ein Virus in sich, das dem menschlichen HI-Virus sehr ähnlich ist – aber erkranken nicht. Affen sterben also nicht an Aids, Menschen dagegen schon. Mit dem Team seines Doktorvaters, Prof. Frank Kirchhoff, stellte Schindler fest: Ein verändertes Eiweißmolekül macht HIV für den Menschen gefährlich. Dabei handelt es sich um ein Protein namens Nef (Negative factor). Schindler analysierte 30 dieser Proteine bei einer Reihe von Primatenarten und stellte fest: Das Nef-Protein des HI-Virus beim Menschen löst eine „chronische Hyperaktivität“ des Immunsystems aus; die T-Helferzellen sterben ab, und das „Immunsystem läuft sich tot“. Bei den Affen passiert genau das Gegenteil: Die Nef-Proteine hemmen die übermäßige Funktion des Immunsystems, so dass die Tiere nur sehr schwach auf die Infektion reagieren und gesund bleiben. Schindler hofft nun, auf der Grundlage seiner Erkenntnisse zur Aids-Prävention beitragen zu können. Der Ansatz für eine geeignete Therapie basiert auf der Reduzierung der Hyperaktivität des menschlichen Immunsystems. Diese gestaltet sich jedoch äußerst schwierig, da für jeden Patienten die individuell richtige Balance gefunden werden müsste: „Schließlich darf das Immunsystem ja auch nicht ganz stillgelegt werden. Wir haben keine Zauberkugel, aber wissen, wo wir sie hinschicken müssen,“ so Prof. Mertens vom Ulmer Universitätsklinikum.
Gibt es für den Erfolgsmenschen Schindler auch noch ein Leben außerhalb des Labors? „Wenn ich abends nach Hause komme, bin ich ziemlich kaputt,“ meint Schindler auf die Frage nach seinem Privatleben. „Und außerdem haben wir noch Familienzuwachs bekommen; ich habe nicht nur eine kleine Tochter, sondern auch noch einen kleinen Hund. Abends beschäftige ich mich mit den beiden. Ich habe wirklich ein sehr erfülltes Leben.“ Dem verlockenden Ruf nach Amerika folgt der Paul-Ehrlich-Nachwuchspreisträger nicht. „Schließlich muss ich hier meinen Vaterpflichten nachkommen“, schmunzelt er.

Text und Foto: Jasmin Takim

 
14. Februar 2007, 11.24 Uhr
red
 
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