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Gesellschaft
 

Unfall an Bahnübergang

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Nied: Forderung nach Unterführung der Oeserstraße

Foto: picture alliance/Boris Roessler/dpa
Foto: picture alliance/Boris Roessler/dpa
Der tödliche Unfall am Bahnübergang an der Oeserstraße hat in Nied eine über 100 Jahre alte Diskussion neu entfacht. Bürgerinnen und Bürger sowie die Politik setzen sich nun verstärkt für die seit Jahrzehnten geforderte Unterführung ein.
Am vergangenen Donnerstag war es im Stadtteil Nied am Bahnübergang an der Oeserstraße zu einem tödlichen Unfall gekommen. Eine 16-Jährige wurde von einem Regionalzug erfasst und kam dabei ums Leben. Ein 52 Jahre alter Radfahrer und eine 50-jährige Autofahrerin wurden ebenfalls von dem Zug erfasst, überlebten jedoch schwer verletzt. Die Schranken des Bahnübergangs waren zum Unfallzeitpunkt geöffnet. Ob es sich dabei um menschliches Versagen oder um einen technischen Defekt gehandelt hat, ist noch immer unklar.

Bereits einen Tag nach dem Unfall am Bahnübergang begannen Bürgerinnen und Bürger in Nied, sich für die Planung einer Unterführung einzusetzen. Am Freitag ging die Petition „Beseitigung der Bahnschranke in Nied/Oeserstraße“ online und konnte mittlerweile knapp 3000 Unterstützerinnen und Unterstützer für sich gewinnen. Ins Leben gerufen, wurde die Petition von Milkica Romic-Stojanovic, SPD-Stadtverordnete aus Nied und integrationspolitische Sprecherin der SPD Frankfurt. Vor drei Jahren machte sie bereits auf die immer wiederkehrende Aufschiebung der Beseitigung des Bahnübergangs aufmerksam. „Wenn sich die Schranke öffnet, setzen sich alle, Autos, Omnibus, Radfahrer und Fußgänger, von vier verschiedenen Seiten auf einmal in Bewegung. Alle wollen in verschiedene Richtungen den Übergang überqueren“, so Romic-Stojanovic. Das sei extrem unübersichtlich und führe immer wieder zu gefährlichen Situationen. Auch der der Schulweg für Grundschulkinder, die mit der gefährlichen und unübersichtlichen Situation überfordert seien, führe dort entlang. „Die Bahnschranke stellt für die Niederinnen und Nieder eine extrem gefährliche Situation dar.“

Im Oktober 2019 veranstaltete der Vereinsring Nied gemeinsam mit der SPD-Ortsgruppe das sogenannte „Schrankenfest“ unter dem Titel „104 Jahre – es reicht“. „Seit mehr als hundert Jahren ist der Bahnübergang ein ungelöstes Problem. Seit Jahrzehnten ist eine Unterführung im Gespräch. Die Nieder protestieren schon lange. Doch die Verantwortlichen reden sich raus. Nun kam es zu einem tragischen Ereignis“, äußerte sich der Vorsitzender des Vereinsrings Nied Hauke Hummel vor wenigen Tagen. Vergangenen Sonntag gründeten die Anwohner Heike und Peter Stoner die Facebook-Gruppe „Bürgerinitiative: Die Schranke in Nied muss weg“ und erhielten schon innerhalb von wenigen Stunden viel Zuspruch. „Montagnachmittag hatten wir bereits 500 Mitglieder. Mittlerweile sind es über 600“, sagt Heike Stoner. In der Gruppe tragen die Mitglieder unter anderem auch Informationen über den Bahnübergang zusammen. Stoner hofft, dass sie auf diese Weise eine lückenlose Dokumentation erstellen kann. „Bisher haben wir nur einzelne Informationen und Abschnitte. In den nächsten zwei bis drei Wochen wollen wir das Ganze dann zusammentragen, um auch sachlich, hieb- und stichfest argumentieren zu können.“

Umbau verschiebt sich immer wieder

So seien beispielsweise viele Gruppenmitglieder nun darüber informiert, dass bereits im Jahr 1915 ein Fußgängerüberweg geplant war, erklärt Stoner. 1988 wurde die Unterführung an der S-Bahn-Haltestelle in Nied eröffnet, der Übergang an der Oeserstraße hätte wenig später folgen sollen. 2011 soll es dann die ersten Planungen für eine Unterführung gegeben haben. „Bis 2015 hat sich nichts getan. 2016 wurde dann bekanntgegeben, dass der Bau verschoben wird.“ Am 3. Februar 2020 veröffentlichte der Magistrat schließlich eine Stellungnahme zum Bau des Bahnübergangs. Darin hieß es: „Der Magistrat plant den Ersatz für den Bahnübergang Oeserstraße gemeinsam mit der DB Netz AG. Daher gehen der eigentlichen Planung gemeinsame Abstimmungen voraus.“ Dieses Vorgehen sei bei Kreuzungsprojekten üblich und die Abstimmungen im Vorfeld zeitintensiv. „Nachdem diese abgeschlossen sind, beginnt die eigentliche Planungsarbeit.“ Zu diesem Zeitpunkt rechnete der Magistrat mit einem Baubeginn zum Jahresende 2026 und einer Bauzeit von etwa drei Jahren.

Auch Martin Daum, verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Römer, äußerte sich zum Thema und forderte Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) dazu auf, dem Verkehrsausschuss der Stadtverordnetenversammlung am 26. Mai einen gründlichen Sachstandbericht zu dem Projekt einer Bahnunterführung, die den Bahnübergang in Nied ersetzen soll, zu geben. „Es handelt sich hier nicht um einen untergeordneten Bahnüberweg, den gelegentlich ein gemütlicher Schienenbus passiert. Mit rund 200 Zügen am Tag ist es der am stärksten befahrene Übergang der Deutschen Bahn in Frankfurt. Spätestens jetzt muss das Projekt bei der Bahn und bei der Stadt wirklich vorrangig sein“, so Daum. Am Dienstag findet die Sitzung des Ortsbeirats 6 statt, darin soll auch der Bahnübergang über einen Eilantrag der CDU zur Sprache kommen.
 
12. Mai 2020, 14.01 Uhr
Johanna Wendel
 
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