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Übergriffe auf Polizeikräfte
 

Übergriffe auf Polizeikräfte

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Polizei Frankfurt: „Zunehmende Grenzenlosigkeit in der Gesellschaft“

Foto: Pexels
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In den vergangenen Tagen wurde die Frankfurter Polizei bei Einsätzen mehrfach beleidigt und angegriffen. Der Unmut in der Bevölkerung scheint zuzunehmen, die Frankfurter Polizei nennt den Anstieg der Übergriffe „besorgniserregend“.
Seit dem vergangenen Wochenende kam es bei drei Polizeieinsätzen zu verbalen und körperlichen Übergriffen gegenüber Beamten und Beamtinnen. Am Sonntagmorgen, gegen fünf Uhr, führte ein Polizeieinsatz zu einer Gaststätte in Alt-Sachsenhausen. Nach Angaben der Polizei sollen sich mehrere Gäste in einem Lokal in der Großen Rittergasse geweigert haben, diese zur Sperrstunde zu verlassen. Nachdem die Beamtinnen und Beamten die Gäste nach draußen geführt hatten, habe sich eine verbale Streitigkeit zu einer „handfesten Auseinandersetzung“ entwickelt. Daraufhin hätten sich, so die Polizei, 50 „hochaggressive“ Personen versammelt, bei dem sich ein 33-Jähriger als „Aufwiegler“ hervorgetan habe.

Laut Polizei hätten sich die Beamtinnen und Beamten in diesem Moment zurückgezogen, die Personengruppe sei ihnen dabei jedoch gefolgt und habe dann damit begonnen, die Einsatzkräfte mit Gläsern, Glasflaschen und Steinen zu bewerfen. Die Einsatzkräfte setzten sich daraufhin mit dem Einsatz von Pfefferspray zur Wehr. Ein 37-jähriger Polizeibeamter sei mit einer Glasflasche im Gesicht getroffen und verletzt worden, sodass die Einlieferung in ein Krankenhaus und eine ärztliche Behandlung nötig gewesen seien. Zudem sei auch eine 24-jährige Polizeibeamtin mit einer Flasche getroffen worden, dabei jedoch unverletzt geblieben.

Erst als die Polizeikräfte vor Ort Verstärkung erhielten, habe man drei Tatverdächtige festnehmen können. Neben dem 33-Jährigen, der ohne festen Wohnsitz lebe und bereits wegen Körperverletzung vorbestraft sei, habe die Polizei einen 18-jährigen Mann aus Frankfurt sowie einen 18-jährigen Mann aus Dietzenbach festgenommen, anschließend aus „Ermangelung von Haftgründen“ jedoch wieder gehen gelassen. Der 33-Jährige wurde am Montag dem Haftrichter vorgeführt. Vonseiten der Polizei heißt es, der sei der Tathergang sei gefilmt sowie durch einen unabhängigen Zeugen beobachtet worden.

Bei einem Einsatz, der sich Ende August ebenfalls in Alt-Sachsenhausen zugetragen hatte, konnte der Tathergang, bei dem ein am Boden liegender Mann augenscheinlich von mehreren Beamten getreten und geschlagen wurde, nicht aufgezeichnet werden. Grund dafür sei damals nach Angaben der Polizei der leere Akku der mitgeführten Bodycam gewesen, da dieser aufgrund der nächtlichen Uhrzeit des Vorfalls schon mehrere Stunden im Einsatz gewesen sei. Aufzeichnungen, die den Tathergang nachvollziehbar machten, existierten ausschließlich von Privatpersonen.

Frankfurter Polizeivizepräsident: „Ein Angriff auf den Wesenskern unserer Gesellschaft“

Ein Sprecher der Frankfurter Polizei teilte auf Anfrage des JOURNAL FRANKFURT mit, dass man in jüngerer Zeit eine „generelle Grenzenlosigkeit in der Gesellschaft“ feststelle. Diese betreffe nicht nur die Polizei, sondern auch Feuerwehrleute, Rettungssanitäter und -sanitäterinnen, Sachbearbeiterinnen und -bearbeiter in Jobcentern, Krankenhauspersonal, Lehrerinnen und Lehrer sowie Schiedsrichter und -richterinnen auf dem Sportplatz. „Die Polizei trifft es nur deshalb am häufigsten, weil wir ununterbrochen auf den Straßen unterwegs sind und in Uniform nach außen deutlich erkennbar den Staat vertreten“, so der Sprecher.

Wichtig sei weiterhin, professionell zu arbeiten und nicht zu generalisieren. „Ebenso gehört dazu, sich nicht von den Emotionen der Gesellschaft anstecken zu lassen und dies auch den jungen Beamten zu vermitteln. Wir dürfen nie vergessen, uns selbst immer kritisch zu hinterfragen und selbst zu reflektieren.“ Darüber hinaus reagiere man auf die aktuelle Entwicklung und gewährleiste, dass die Beamtinnen und Beamten auf der Straße besser geschützt seien, betonte der Sprecher. Dies betreffe insbesondere die Schutzausstattung. Die Kehrseite der Medaille dabei sei jedoch, dass man als Polizei „auch eine Art Schutzpanzer um uns herum“ aufbaue. „Dieser kann unter Umständen auch einschüchternd und abschreckend auf die Bürgerinnen und Bürger wirken.“

Mit den jüngsten Vorfällen sei die „Grenze des Erträglichen erreicht“, sagte zudem der Polizeivizepräsident Walter Seubert. Er verurteile die Angriffe auf Polizeibedienstete in Alt-Sachsenhausen und die „massiven Beleidigungen“ beim Einsatz auf der Zeil vom vergangenen Wochenende „aufs Schärfste“. „Solche Angriffe, auch verbaler Art, sind immer ein Angriff auf den Wesenskern unserer Gesellschaft - und unser friedliches Zusammenleben", betonte der Vizepolizeipräsident.

Der Autoritätsverlust und Übergriffe auf Polizeibeamte und -beamtinnen sind jedoch nicht nur in jüngster Vergangenheit angestiegen. Es handelt sich dabei vielmehr um eine Entwicklung, die sich bereits seit mehreren Jahren ankündigt. So erfuhr die Hessische Polizei allein von 2018 auf 2019 laut einer Statistik des Bundeskriminalamts einen prozentualen Anstieg an tätlichen Übergriffen auf Polizeibeamte von 132,3 Prozent. In Frankfurt sei die Zahl der Gewalt gegenüber Polizeikräften von 1318 Betroffenen im Jahr 2016 auf 1729 in diesem Jahr gestiegen; ein Anstieg von 31 Prozent.

Zwei weitere Vorfälle sollen laut Polizei in der Nacht von Montag auf Dienstag gegen 3 Uhr und Sonntagnacht gegen Mitternacht stattgefunden haben, bei denen umstehende Passantinnen und Passanten den Beamtinnen und Beamten Rassismus und Racial Profiling vorgeworfen hätten. Tätlich angegriffen wurden die Beamtinnen und Beamten dabei jedoch nicht. Auf der Zeil habe die Polizei zwei Männer zur Kontrolle aufgefordert, nachdem sie diese beim Urinieren an eine Wand beobachtet hatten.

Eine Passantin, die die Kontrolle beobachtet habe, soll daraufhin laut geschrien haben. „Innerhalb kürzester Zeit“ hätten sich daraufhin 150 Personen versammelt, die die Maßnahmen filmten.
 
22. September 2020, 13.35 Uhr
Johanna Wendel
 
Johanna Wendel
Jahrgang 1993, Technikjournalismus-Studium an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, seit Januar 2019 beim Journal Frankfurt. – Mehr von Johanna Wendel >>
 
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Leser-Kommentare

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Helge Mckel am 22.9.2020, 15:15 Uhr:
Wer unbedingt möchte, der kann sich ja mal ein Bild von Alt Sachs machen. Das ist bei weitem nicht mehr wie früher, wo man durchaus auch rustikal gefeiert hat. Heute wird das Bild dominiert von Assis, die Spass daran haben, sich abzureagieren und null Respekt gegenüber Spielregeln, halbwegs vernünftigem Benehmen oder gar der Polizei haben. ...und genau dieser Bodensatz findet sich bspw. beim Randalieren auf dem Opernplatz und noch primitiver im Bahnhofsviertel. Greift die Polizei dann mal durch und verschafft sich Respekt, hagelt es Vorwürfe und Beschimpfungen. Wir brauchen glasklare Spielregeln, eine Polizei, die nach diesen konsequent eingreifen darf (und sich natürlich auch selbst daran hält) und eine Justiz, die rasch handeln (darf) und klar macht, daß dieser Staat kein Trampolin für Asoziale ist. Da ist es zunächst auch vollkommen egal, ob die eine schwierige Jugend haben, die Zigaretten ausgegangen sind oder das Haargel eingetrocknet ist. Parallel dazu müssen die Jugendlichen, die noch Anlass zur Hoffnung geben, gefördert und aus diesem Milieu herausgezogen werden. Wer willens ist, muss die gleichen Chancen haben wie jeder andere auch. Wer nicht, hat Pech gehabt.
 
 
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