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Studio Fatal: Kreativität aus der Sprühdose
 

Studio Fatal: Kreativität aus der Sprühdose

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„Es hat mich schon immer geärgert, dass es so wenige Frauen im Graffiti gibt“

Foto: Studio Fatal
Foto: Studio Fatal
Jorge Labraña ist seit 30 Jahren Graffiti-Künstler. Heute gibt er Kurse, um auch den Nachwuchs für diese Kunstform zu gewinnen. Das Besondere: Seine „Girls do Graffiti“-Kurse richten sich ausschließlich an Mädchen und junge Frauen.
Wenn von Graffiti die Rede ist, denken die meisten vermutlich zuerst an Bahnübergänge, alte Häuserfassaden oder Zug-Waggons. Diese Orte sind nämlich besonders beliebte Stellen für Sprayer, um ihre Handschrift zu hinterlassen – sei es als Übungsfläche oder um sich mit Namen oder Slogans zu verewigen. Dementsprechend ist der Ruf von Graffiti nicht der beste, dabei versteckt sich dahinter eine ganz besondere Kunstform mit langer Geschichte. Murals, Streetart und Kunstwerke, die sich über ganze Häuserfassaden erstrecken werden immer beliebter – auch hier in Frankfurt.

„Es ist eine Echtzeit-Kunst“, erklärt Jorge Labraña. Labraña ist 45 Jahre alt und unter dem Künstlernamen Fuego Fatal unterwegs. „Du siehst direkt Ergebnisse, das ist Reiz und Herausforderung zugleich“. Er selbst hat mit 15 Jahren angefangen zu sprayen und es sich zum Ziel gemacht, jungen Menschen diese Kunstform nahe zu bringen und den Nachwuchs zu fördern. In seinen Kursen will er seine Begeisterung weitergeben und den Einstieg erleichtern. Einige seiner Angebote richten sich speziell an Mädchen.

„Es hat mich schon immer geärgert, dass es so wenige Frauen im Graffiti gibt“, erzählt Labraña. Lange Zeit habe er nicht verstanden, woran das liegt, denn im Grunde sei es sogar einer Frau zu verdanken, dass Graffiti überhaupt weltweit so bekannt wurde. Heute sieht er die Gründe dafür im Teenager-Alter: „Meistens erwacht das Interesse für Graffiti im Teenager-Alter – genau dann, wenn generell alles drunter und drüber geht. Jungs sind voller Testosteron und wollen sich beweisen, Mädchen sind meist reifer und davon dann genervt.“ Doch die Begeisterung sei bei beiden Geschlechtern immer die Gleiche. „Es herrscht der Irrglaube, Frauen würden nicht den gleichen Ehrgeiz oder das gleiche Talent mitbringen. Das Gegenteil ist der Fall.“

In seinen vierstündigen Kursen verbindet Labraña Theorie mit Praxis. Nach einer Einführung über die Geschichte und Herkunft des Graffitis können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst aktiv werden. Unterschiede zwischen den gemischten und den reinen „Girls do Graffiti“-Kursen gebe es durchaus, erklärt er. „Natürlich gibt es Unterschiede. Junge Frauen unter sich merken sofort, wenn diese kompetitive Ebene, die unter Jungs völlig normal ist, einfach nicht vorhanden ist. Sie fühlen sich viel schneller viel sicherer dabei, etwas Neues auszuprobieren.“

Graffiti habe viel mit eigenem Ausdruck zu tun. Sich kreativ zu öffnen, und sich zu trauen – das gehe ohne Jungs einfach viel schneller. Außerdem arbeiteten die jungen Frauen viel eher zusammen, und motivierten sich gegenseitig, erklärt der geübte Sprayer. „Ob Frauen anders malen? Ich dachte früher tatsächlich selbst, ich würde erkennen, wenn eine Frau sprüht. Das würde ich heute so nicht mehr behaupten. Klar, kann man Unterschiede erkennen, wenn man will. Aber das liegt nicht an Graffiti, sondern eher an den Genderklischees, die weiterhin dominieren.“ Aus diesem Grund versuche er auch, Jungs schon früh die Angst zu nehmen, mit Farben zu arbeiten, die sie selbst als „weiblich“ identifizieren. „Ich zeige ihnen zum Beispiel Bilder, die mit viel Pink, Lila oder Gelb arbeiten. Spätestens, wenn sie dann selbst mit Pink sprühen, merken sie, dass diese Farben einfach ballern“, schmunzelt Labraña. Darüber hinaus zeige er ihnen Arbeiten, erzähle aber erst später, dass sie von einer Frau stammen. „All das löst etwas aus. Wenn sie dann ihre Meinung über Pink ändern, haben sie – ohne es gemerkt zu haben – verstanden, dass diese Genderklischees Unfug sind.“

>> Für den August hat Jorge Labraña weitere Kurse geplant. Die Kurse finden im Studio Fatal im Atelier Frankfurt statt und kosten 60 Euro. Weitere Infos gibt es online unter www.studiofatal.de

Weitere Porträts und Interviews zum Thema Feminismus und Frauenrechte finden Sie in der aktuellen Ausgabe 07/2019 des JOURNAL FRANKFURT sowie unter www.journal-frankfurt.de/gleichberechtigung.
 
4. Juli 2019, 12.12 Uhr
Sina Eichhorn
 
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