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Foto: Adobe Stock/pascalskwara
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Selbsttests an Förderschulen

Die Angst vor dem Stäbchen

Seit dem Ende der Osterferien müssen Schüler:innen in Hessen einen negativen Corona-Test vorweisen, wenn sie am Präsenzunterricht teilnehmen möchten. Die meisten von ihnen testen sich in der Schule selbst. In Förderschulen gibt es dabei aber häufig Schwierigkeiten.
Eines haben derzeit alle Schülerinnen und Schüler in Hessen gemeinsam: Wer am Präsenzunterricht teilnehmen will, muss zweimal die Woche einen Corona-Test machen – idealerweise einen Selbsttest per Nasenabstrich, direkt in der Klasse. Nicht für alle ist das aber so einfach. Vor allem an Förderschulen gibt es dabei häufig Schwierigkeiten, wie der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Hessen knapp zwei Wochen nach dem Ende der Osterferien resümiert. Der Verband fordert daher alternative Testmöglichkeiten.

„Die Kinder gehen sehr fantasievoll mit sich und ihrer Umgebung um“, sagt Peter Walter, Schulleiter der Frankfurter Mosaikschule und erklärt, dass viele seiner Schüler:innen deshalb skeptisch oder gar ängstlich gegenüber den Stäbchen seien, die sie sich zum Selbsttest in die Nase einführen sollen. An der Schule mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung kam es bereits öfter zu Situationen, in denen Kinder sich nicht testen konnten oder wollten.

Auch an anderen hessischen Schulen, an denen die Schüler:innen sich beispielsweise aufgrund körperlicher Einschränkungen nicht selbst testen könnten, würden die Tests für Schwierigkeiten sorgen, berichtet der VBE. „Es darf aber nicht sein, dass der Schulbesuch daran scheitert und die Kinder im Distanzunterricht bleiben müssen“, so Joachim Trautmann, Ansprechpartner für die Förderschulen beim VBE Hessen. Denn: ein negativer Test ist Voraussetzung für die Teilnahme am Präsenzunterricht.

Vertrauen in die Eltern

Dass das auch ausnahmslos für die Förderschulen gilt, betont auch das Kultusministerium. Unter den 21 Pilotschulen, die die Selbsttests im Vorfeld getestet hatten, seien auch Förderschulen gewesen. Auch, wenn die Umsetzung dort schwierig sein könne, sei man nach der Pilotphase zu dem Ergebnis gekommen, dass die Strategie der Selbsttests auch an Förderschulen funktioniere, so ein Sprecher des Ministeriums. „Uns ist klar, dass es viel Kraft und Arbeit kostet, aber für uns zählt vor allem die Sicherheit.“ Der VBE wie auch Schulleiter Peter Walter kritisieren jedoch, die Förderschulen würden nicht genug mitgedacht. „Uns fehlen Handlungsanweisungen, wie wir mit Situationen umgehen sollen, in denen sich Kinder nicht testen wollen oder können. Eigentlich müsste ich diese Kinder alle daheimlassen. Das funktioniert aber nicht“, so Peter Walter.

An der Mosaikschule kommt daher zweimal die Woche ein Testteam des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), das die Kinder unterstützt. „Ohne die Hilfe des DRK würde das alles nicht funktionieren“, so Walter. Trotzdem kämen nicht alle Kinder mit dem Nasenabstrich zurecht. Die Schule greift daher auf andere Lösungen zurück: So bekommen einzelne Eltern beispielsweise den Test mit nach Hause. Eigentlich sei das so nicht gedacht, sagt Walter, aber in diesen Fällen müsse man sich eben auf die Eltern verlassen. „Wir haben zum Beispiel ein Kind, das sich in der Schule nicht testen will, um sich schlägt und beißt. Zuhause funktioniert es aber.“

Keine Dauerlösung

Für viele Schulen ist die Lösung, den Test mit nach Hause zu geben, aber nur eine Notlösung. Mancherorts kämen daher morgens die Eltern mit in die Schule, um ihr Kind zu testen. „Momentan versuchen alle – Schulen und Eltern – es den Kindern zu ermöglichen, dass sie in die Schule kommen können. Die Frage ist nur, wie lange das noch alle mitmachen können. Es kann keine Dauerlösung sein, dass die Eltern morgens mit in die Schule gehen und ihre Kinder testen“, sagt Joachim Trautmann.

Aktuell seien genau das aber auch die Möglichkeiten, die das Kultusministerium den Schulen vorgebe, so ein Sprecher des Ministeriums. „Wir sind froh, dass wir die Selbsttests haben und haben auch die Rückmeldung aus den staatlichen Schulämtern, dass das Testen eigentlich gut funktioniert.“ Zudem könnten die Eltern ihre Kinder auch in einem Testzentrum testen lassen. Dort werden vielerorts Spuck- oder auch sogenannte Lolli-Tests angeboten – PCR-Tests, bei denen etwa 30 Sekunden an einem Teststäbchen gelutscht wird wie an einem Lolli. Das Ergebnis, das nicht älter als 72 Stunden sein darf, muss dann den Schulen vorgelegt werden.

In den Förderschulen will man genau solche Alternativtests aber direkt in die Klassen holen – um den Nasenabstrich zu vermeiden. „Wir wünschen uns verschiedene Testmöglichkeiten, die natürlich zugelassen sind und eine Aussagekraft haben“, sagt Schulleiter Peter Walter. Vom Kultusministerium heißt es, man habe die Erprobungen der anderen Tests im Blick und sei bereit für Änderungen, sobald sie die nötigen Anforderungen erfüllen. Bis dahin scheinen die Schulen jedoch mit den Möglichkeiten klarkommen zu müssen, auf die sie bereits jetzt zurückgreifen.
 
30. April 2021, 12.55 Uhr
Laura Oehl
 
 
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