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Proteste gegen rassistische Polizeigewalt
 

Proteste gegen rassistische Polizeigewalt

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„Break the Silence“-Demonstration vor dem Polizeipräsidium

Foto: red
Foto: red
Am Mittwochnachmittag kamen Demonstrierende der „Black Lives Matter"-Bewegung erneut zusammen. Nach einem Protestzug folgte eine mehrstündige Kundgebung vor dem Frankfurter Polizeipräsidium, um auf rassistische Polizeigewalt aufmerksam zu machen.
„Wir hören in der Jugendbildung häufig den Satz von Lehrkräften und Multiplikator*innen, dass junge Menschen sich nicht für Politik interessieren und sich nicht politisch betätigen. Wenn die Demonstrationen in Deutschland, aber auch weltweit eines gezeigt haben, dann dass junge Menschen sich sehr wohl politisch engagieren,“ sagte Céline Wendelgaß, Bildungsreferentin der Bildungsstätte Anne Frank, vor wenigen Tagen. Auch am Mittwochnachmittag gegen 16 Uhr versammelten sich an der Hauptwache laut Polizei wieder rund 300 Demonstrantinnen und Demonstranten, größtenteils im jungen Erwachsenenalter, um gegen Rassismus und Polizeigewalt auf die Straße zu gehen. Organisiert wurde die Demonstration mit dem Titel „Break the silence, be heard!“ von der Initiative „Beheardffm“.

Gegen 16.30 Uhr setzte sich der Protest in Richtung des Frankfurter Polizeipräsidiums über die Eschersheimer Landstraße in Bewegung. Die Demonstrierenden riefen dabei immer wieder: „Enough is enough“ und „No justice, no peace“. Zweimal wurde dabei mit gereckten rechten Fäusten eine Schweigeminute für George Floyd, der vor knapp drei Wochen in Minneapolis durch brutale Polizeigewalt ums Leben kam, und weiteren Opfern wie Christy Schwundeck, die 2011 im Jobcenter auf der Mainzer Landstraße von einer Polizistin erschossen wurde, gedacht.

Kundgebungen vor dem Polizeipräsidium

Um 17.30 Uhr etwa erreichten die Demonstrantinnen und Demonstranten das Polizeipräsidium auf der Adickesallee und stellten einen Lautsprecher und ein Mikrofon vor das verglaste Gebäude. Dabei ergriff die „Beheardffm"-Aktivistin Amira als erste das Wort und berichtete über eigene Erfahrungen mit der Polizei. „Wir sind hier, weil sich Nazis häufig hinter einer Uniform verstecken.“ Im August 2018 sei ein Freund von Polizisten ohne erkennbaren Grund durchsucht und dabei an eine Wand gedrückt worden. Sie habe das Vorgehen der Polizei damals gefilmt, ihr Telefon sei daraufhin von den Beamten beschlagnahmt worden. Nach einem kurzen Wortgefecht, sei sie zu Boden gerungen, in Handschellen gelegt und von den Polizisten beleidigt worden. Bis heute kämpfe sie für ein faires Verfahren, Akteneinsicht, Gerechtigkeit.

Nur vereinzelt wirke es so, als würde sich die Polizei gegen Rassismus einsetzen, so die 28-Jährige. Sie sei dankbar, dass ein Oberkommissar vor kurzem, nachdem er sich gegenüber eines Mannes rassistisch äußerte, von den eigenen Kolleginnen und Kollegen angeklagt wurde. Diese Dinge dürften jedoch nicht die Ausnahme sein.

Nach Amira ergriffen noch einige weitere Rednerinnen und Redner im Rahmen der Kundgebung das Wort: Amiras Vater, der als Polizist im Sudan tätig war und aufgrund der Brutalität der Beamten vor Ort flüchtete, außerdem ein Rapper, der auf den Beat von Eminems „White America“ die Situation in Deutschland schilderte. Eine weitere Aktivistin richtete sich in ihrer Rede direkt an die Polizistinnen und Polizisten, die vor dem Präsidium standen: „Ich will nicht glauben, dass ihr alle gleich seid, aber es kann nicht sein, dass die Polizei von der Polizei geschützt wird.“ In den USA werde über die Abschaffung der Polizei diskutiert, während man in Deutschland noch infrage stelle, ob der Rassismus institutionell sei. Dabei verwies sie auf die Rede des Oberbürgermeisters bei der Demonstration am vergangenen Samstag: „Der Oberbürgermeister hat von Weltoffenheit gesprochen. Aber das reicht nicht, der Rassismus in Deutschland ist institutionell.“

Nach Angaben der Polizei löste sich die Versammlung wie zuvor vereinbart gegen 20 Uhr auf. Die Demonstration sei „friedlich und komplett störungsfrei“ verlaufen, so ein Sprecher der Polizei Frankfurt.
 
12. Juni 2020, 13.30 Uhr
jwe
 
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