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Rettet das Bahnhofsviertel

Foto: © Sinem Koyuncu
Foto: © Sinem Koyuncu
Über das Bahnhofsviertel, seinen Reiz und die Probleme, wird viel diskutiert. Mit der Corona-Pandemie treten zahlreiche Schwierigkeiten noch deutlicher zutage. Ein Aktionsbündnis will nun die Stadt mit einer Petition zum Handeln zwingen.
Das Bahnhofsviertel ist – auch über die Grenzen Frankfurts hinaus – bekannt für seinen Facettenreichtum: Rotlicht trifft auf Szene-Bars, Drogenkriminalität auf hochpreisige Restaurants. Dieser ewige Balanceakt macht einerseits den Reiz des Viertels aus, provoziert andererseits bekanntermaßen aber auch zahlreiche Schwierigkeiten. Seit Beginn der Corona-Pandemie treten viele der Probleme, die auch der sogenannte Frankfurter Weg nicht mehr zufriedenstellend lösen kann, noch deutlicher zutage. Die Straßen sind gepflastert mit Müll, Glasscherben, Spritzen und Zigarettenstümmeln. Drogenkranke, Kleindealer und kriminelle Banden nehmen mangels Alternativen mehr und mehr Raum ein. Auch die Straßenprostitution hat, bedingt durch die derzeit geschlossenen Etablissements, sichtbar zugenommen.

Anwohnende und Gastronomien beklagen schon länger, dass das Bahnhofsviertel zusehends zum Elendsviertel verkomme; die Politik suche nicht ausreichend nach Lösungen, lautet ein gängiger Vorwurf. „Das Viertel gleicht, insbesondere aufgrund der aktuellen Situation, dem wilden Westen. Das ist Sodom und Gomorrha, was hier stattfindet“, sagt auch Maximilian Coga, Bahnhofsviertel- Urgestein und Gründungsmitglied des Aktionsbündnisses „Rettet das Bahnhofsviertel“. Das Bahnhofsviertel müsse seinen ursprünglichen Charakter zurückerhalten, so die Forderung des Bündnisses, dem eben zahlreiche weitere bekannte Gesichter des Viertels angehören. Ulrich Mattner, Journalist, Fotograf sowie Viertel-Connaisseur ist dabei, außerdem Nazim Alemdar vom Kiosk YokYok, Bauprojektentwickler Ardi Goldmann, Matthias Rincón von Ipartment GmbH, Oliver Gauß als Inhaber des Traditions-Amüsierlokals Pik Dame. Es ist das erste Mal, dass derart branchenübergreifend“ im Sinne des Bahnhofsviertes agiert wird. Sie alle empfinden die momentane Situation als besonders tragisch.

Eine immense Ansammlung von Drogenkranken und die immer stärkere Verlagerung von Heroin zu Crack als populärste Droge, habe die Drogensituation in den vergangenen Jahren deutlich verschlimmert: „Heroin beruhigt die Leute und stellt somit keine allzu großartige Gefahr für Nicht-Konsumenten dar. Crack hingegen macht die Leute aktiv, aber vor allem auch aggressiv – das kann schlimme Konsequenzen haben“, so Coga, der das Geschehen täglich aus seiner Wohnung gegenüber von einem Drogen- Konsumraum beobachten kann. Daneben bereitet insbesondere die Kleindealerei zusehends Probleme. „Es ist besonders die Klein-Dealerei, die hier dominiert. Die Fahndung von Klein-Dealern muss radikaler erfolgen. Meistens werden die Dealer von der Polizei gepackt und mitgenommen, aber am nächsten Tag stehen sie wieder an ihrer Ecke und machen ihr Geschäft“, kritisiert Maximilian Coga.

Auch die Vermüllung der Straßen ist ein Kritikpunkt. Die erzeuge nicht nur sehr viel Arbeitsaufwand, da das Viertel mehrmals täglich hergerichtet und gereinigt werden muss, sondern auch eine enorme Ausgabe von Geldern, die dem Bahnhofsviertel anderweitig zugutekommen könnten, so Coga. „Es ist einfach nur peinlich, wenn man vom Hauptbahnhof aus Richtung Innenstadt läuft und sich den Dreck und das Elend in diesen Straßen ansehen muss“, sagt der langjährige Anwohner. Zudem setzt sich das Bündnis für die Auflösung der Reviere und Gebiete von Banden an den Straßenkreuzungen rund um die Kaiserstraße ein. „Die fallen hier rund um die Uhr durch ein penetrantes, belästigendes und lautes Auftreten auf und verjagen die Kundschaft der gastronomischen Betriebe auf der gesamten Kaiserstraße. Des Öfteren werden sie auch handgreiflich und diebisch“, bemerkt Coga.

Ein durch die Pandemie deutlich verstärktes Problem, sei der „neue“ Straßen-Strich. Viele Prostituierte, die vor Ausbruch von Covid-19 in den Bordellen des Bahnhofsviertels tätig waren, seien nun auf offener Straße, um Kunden zu akquirieren. Diese würden sie mit in die Hotelzimmer nehmen, in denen sie ohnehin bereits wohnen, um ihren Dienstleistungen nachzugehen. „Dadurch entfällt jeglicher Schutz – sowohl für die Gesundheit als auch für den körperlichen Schutz der Prostituierten und der Kunden. Auf diese Weise geraten neue Krankheiten in Umlauf“, befürchtet Coga.

Ein Resultat der sich zuspitzenden Situation sei die „Talentabwanderung“, bemerkt das Aktionsbündnis. „Viele kreative Köpfe, Gastronomen und Künstler, die das Potenzial des Bahnhofsviertels und die eigentliche Schönheit erkennen und sich hier verwirklichen möchten, ziehen leider in andere Stadtteile oder sogar in andere Städte, weil sie sich hier weder sicher noch wohl fühlen“, sagt Coga. Damit entziehe man dem Bahnhofsviertel jegliche Möglichkeit zur Weiterentwicklung.

10000 Unterschriften möchte das Aktionsbündnis „Rettet das Bahnhofsviertel“ mit einer Petition sammeln, um Stadt und Politik zu radikalen Verbesserungsmaßnahmen zu bewegen, die Polizei-Präsenz zu verstärken und mehr in den Stadtteil zu investieren. „Wenn wir genug Leute sind, die sich zusammentun, um uns für ein sichereres, saubereres, gesünderes sowie lebenswerteres Bahnhofsviertel stark zu machen, können wir uns Gehör verschaffen und das Viertel vorm potenziellen Verderben retten“, hofft Coga. „Wir lassen uns Zeit bis zu den nächsten Kommunalwahlen im Frühjahr 2021, um uns dann mit den Stimmen, die wir gesammelt haben, zu positionieren und unseren Standpunkt zu manifestieren. Wir haben es uns zur Aufgabe genommen gemeinsam unseren geliebten Stadtteil zu retten und es zu einem sicheren Wohn- und Amüsier-Ort zu machen und dafür brauchen wir auch die volle Unterstützung von der Stadt Frankfurt.“

Zur Petition: change.org/p/rettet-das-bahnhofsviertel
 
17. September 2020, 12.40 Uhr
Sinem Koyuncu
 
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