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Obdachlosencafé in der Gutleutstraße

Teestube Jona weiht neue Räume ein

Lange kämpfte die Teestube Jona um ihr Weiterbestehen, mit den Hausbesitzern kam es am bisherigen Standort zu großen Schwierigkeiten. Das Obdachlosencafé befindet sich nun in der Gutleutstraße, wo vergangene Woche die neuen Räume eingeweiht wurden.
Kein Wasser, keine Heizung, kein Strom – was zu den Grundbedürfnissen des Menschen gehört, war im vergangenen Winter in der Teestube Jona nicht mehr gegeben. Als eine neue Eigentümergemeinschaft den alten Standort am Hauptbahnhof übernommen hatte, häuften sich die Probleme im Obdachlosencafé: Mieter mussten sich das Wasser aus dem Main holen, sogar von Drohungen seitens der neuen Eigentümer war die Rede. „Aber wir hatten trotzdem keinen Tag geschlossen“, sagt Nadine Müller, Leiterin der Einrichtung. Seit dem 1. April ist die Teestube Jona in der Gutleutstraße 121 zu finden. Vergangene Woche wurden die neuen Räume eingeweiht.

Mit 60 Quadratmetern bietet der neue Gastraum nun mehr Platz für die Besucher. Bei der Renovierung blieben die Mitarbeiter der grünen Farbe und dem Mobiliar treu, weil dies Wiedererkennungswert habe; an den Wänden hängen Bilder der Stammgäste. „Wir haben nicht nur überlebt, sondern uns auch weiterentwickelt“, verkündet Stephan Knobel vom Vorstand der Projektgruppe Bahnhofsviertel e.V., die die Teestube betreibt, und weist auf die erweiterten Angebote hin. So bieten die neuen Räume unter anderem eine Tischtennisplatte, Duschmöglichkeiten im dritten Obergeschoss und ein Friseurangebot. Auch die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter und ehrenamtlichen Helfern haben sich laut der Leiterin verbessert: „Wir haben jetzt einen Pausenraum und auch mehr als einen Schreibtisch.“ Darüber hinaus soll die Kleiderkammer ausgebaut werden; weitere Projekte sind in Planung.

Die Teestube Jona zählt zu den ältesten Einrichtungen für Menschen in schwierigen Lebenssituationen im Bahnhofsviertel. Sie wurde 1983 von der Trägergruppe Bahnhofsviertel e.V. gegründet und hat vor allem in den Wochenend- und Abendstunden geöffnet, wenn es draußen dunkel und ungemütlich wird. Viele Besucher kommen für einen Kaffee zusammen und treffen Bekannte auf einen Plausch. Sie können sich bei Bedarf von Sozialarbeitern beraten lassen, ihre Wäsche waschen, kochen und kostenlos Computer und W-Lan nutzen. „Die Teestube Jona stellt nicht nur die Räumlichkeiten, sondern bildet auch Vertrauen“, sagt Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld. „Die Mitarbeiter sind für die Menschen da.“ Vor allem die familiäre Atmosphäre zeichne das Obdachlosencafé aus. Dort kenne man alle Stammgäste mit Namen.

Annemarie Neubauer hat 20 Jahre lang für die Teestube gearbeitet und war bei der Gründung dabei, als das Café noch in der Pforzheimer Straße 7 zu finden war. „Damals musste ich meinen Job als Ärztin aufgeben und habe dann angefangen, zweimal in der Woche ehrenamtlich für die Teestube zu arbeiten“, erzählt die 80-Jährige. „Ich habe psychisch Kranke auf ihrem Weg begleitet.“ Dass ihr Herz immer noch an der Teestube hängt, zeigen ihre regelmäßigen Besuche. Die neuen, größeren Räume findet Neubauer toll. Einzig die Lage im zweiten Stock stoßen bei ihr, aber auch dem Vorstand, der Dezernentin und den Mitarbeitern auf Skepsis. Viele Obdachlose kämen mit all ihren Habseligkeiten in die Teestube und es sei eine besonders große Last für sie, alles in die Obergeschosse tragen zu müssen.

„Es sind noch einige Hürden zu überwinden“, bringt Birkenfeld das Problem der Barrierefreiheit auf den Punkt. Die Mitarbeiter und alle beim Umzug Beteiligten blicken den Herausforderungen jedoch positiv entgegen und hoffen, dass das Angebot gleichermaßen angenommen wird. Wenigstens vorübergehend, denn der Standort in der Gutleutstraße wird nicht die Endstation für die Teestube sein. Die Barrierefreiheit soll in Zukunft nämlich dauerhaft beibehalten werden. Doch bevor die Suche nach einem barrierefreien Standort wieder beginnt, können alle erstmal aufatmen und das Weiterbestehen der Teestube Jona feiern.
 
17. September 2018, 12.20 Uhr
Martina Schumacher
 
Martina Schumacher
Jahrgang 1991, Studium der Germanistik an der Goethe-Universität, seit 2016 beim Journal Frankfurt – Mehr von Martina Schumacher >>
 
 
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