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Neues vom Europaviertel

Es war ruhig geworden um das einst so vollmundig angekündigte neue Stadtgebiet, das Europaviertel. Zu ruhig – wie einige meinen. Das Areal ist erschlossen, die letzten vereinzelten Gleise des ehemaligen Güterbahnhofs werden dieses Jahr endgültig zurückgebaut, und dann ist die Brache noch großflächiger. Inmitten dieser Einöde verläuft der – wie aus einem Anfall von Größenwahn getaufte - „Europaboulevard“. Eine Prachtstraße, die ins Nirgendwo führt. Was war da nicht alles geplant: Ein „Urban Entertainment Center“ nebst Musical Theater, der Millenium-Tower, Einkaufsparadiese, Büro- und Wohngebäude, eine grüne Lunge in der Innenstadt, darunter untertunnelt eine Straße ... Aber Träume sind Schäume. Von all den Visionen ist nichts verwirklicht worden. Den Grundstückseignern, Vivico und Aurelis – beide Bahntöchter, fehlt es an Investoren. Der Bebauungsplan ist zu festgelegt, die Grundstücke zu teuer ... Gründe für Frankfurts peinlichstes, weil bisher gescheitertes, Projekt gibt es einige.

Von der 10 Jahre alten Vision eines Europaviertels ist nur Schweigen geblieben. Grund genug, das Projekt wieder zur Diskussion zu stellen, fand das Architekturbüro „Kontext“ und lud Anfang Januar zehn Architekturbüros zu einem zweitägigen Workshop „Aufbruch Abbruch II – Fehlstellen der Stadtentwicklung“ in die Evangelische Stadtakademie am Römerberg ein. Doch augenscheinlich lassen in einem Wochenende keine Pauschallösungen finden. Vielmehr entstanden bei dem Brainstorming vier verschiedene Ansätze, die neue Denkanstöße liefern sollen. Die Workshopergebnisse sind in Form einer riesigen Plakatwand bis zum 9. Februar in der Evangelischen Stadtakademie (Römerberg 9, Mi-Fr 14-18 Uhr) zu bestaunen.

Quo vadis, Europaviertel?
Geht es nach dem Büro von „Index Architekten BDA“ aus Frankfurt, wird das gesamte Areal des Europaviertels mit Wasser aus dem Main oder der Nidda geflutet. Das könnte dann so aussehen wie auf dem Foto. Zu realisieren wäre die Idee - das Grundstück liegt ohnehin zwei Meter unter dem Straßenniveau. Das Wasser soll dabei ein Symbol für die Natur sein und für einen organischen, sich im Wachstum befindlichen, Prozess stehen. „Jeder will doch gerne am Wasser wohnen“, sagt Sigrun Musa von Index, und begründet damit die mit dem Wasserpegel steigende Attraktivität des Geländes. Interessenten könnten dann ja flächenweise Land aufschütten und sich so eine Immobilie am Wasser bauen. Die unterschiedlichen Viertel Kuhwaldsiedlung, das Gallus und die Hellerhofsiedlung würden durch das Gewässer miteinander verbunden. Je mehr Investoren, Land im Gewässer gewinnen, desto mehr Kanäle könnten dazwischen entstehen. Fast ein „Klein-Venedig“.

Ganz anders ist der Ansatz von Diplomingenieur Thomas Klein, drw architekten, Choe Hackh und Stadtblind. In ihrer Arbeit kritisieren sie das Europaviertel als eine filetierte Stadt, bei der sich jeder nur sein Filetstückchen aussucht, übrig bleibt ein Gerippe. Es fehlen identitätsstiftende Elemente und Wohnqualität. Aus einem eigentlich schmucken Areal wird dadurch ein stinkender, abgenagter Fisch. „Und der Fischkopf ist das geplante UEC“, sagt Thomas Klein.


Die Architekturbüros Kontext, Liquid, Just. Burgeff und Cornelsen erarbeiteten weder ein Zukunftsmodell, noch formulierten sie an den bisherigen Plänen eine konkrete Kritik. Vielmehr wurden Begriffe, die bei Bauplanungen sehr gerne fallen, auf ihre Bedeutung hin analysiert. Darunter gern genommene Worthülsen wie „Potential“, „Erfolg“, „Urbanität“, „Vision“ oder „Identität“. Ein also eher philosophischer Ansatz, der eventuell die Wurzeln der Fehlentwicklungen des Europaviertels umschreibt.

Das vierte Modell von den Büros osa Darmstadt und bb22 beschäftigt sich mit den horrenden und damit für Investoren abschreckenden Grundstückspreisen. Ginge es nach den Architekten dieses Teams, würde der Bodenwert alle drei Jahre herabgesetzt, um Investoren einen Anreiz zu bieten.


Auch wenn diese Ansätze vielleicht noch nicht der Weisheit letzter Schluss sein sollten, sie können sehr wohl den nötigen Stoff für eine längst fällige Diskussion bieten. Interessenten sind eingeladen bei der Podiumsveranstaltung am Mittwoch, den 31. Januar um 19.30 Uhr in der Evangelischen Stadtakademie mitzudiskutieren. Zu Gast werden sein: Wolfgang Kil (Architekt und Publizist aus Berlin), Günther Kühnlein (Leiter Vivico Real Estate GmbH Frankfurt), Rolf Lange (Projektleiter, Aurelis Real Estate GmbH, Eschborn), Dieter von Lüpke (Leiter des Stadtplanungsamtes Frankfurt) und Dr. Walter Prigge (Stiftung Bauhaus Dessau). Moderiert wird die Diskussion vom Direktor des Deutschen Architekturmuseums, Peter Cachola Schmal.

 
25. Januar 2007, 12.13 Uhr
nicole brevoord
 
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