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Foto: © Bernd Kammerer
Foto: © Bernd Kammerer

Mordprozesses gegen Szene-Gastronom Jan M.

„Ich habe Irina nicht umgebracht“

Als im Mai des vergangenen Jahres die Leiche von Irina A. im Niddapark entdeckt wurde, fiel der Verdacht schnell auf den Gastronomen Jan M. Am heutigen Dienstag begann der Prozess. Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe.
Am 8. Mai vergangenen Jahres entdeckte ein Spaziergänger die Leiche der 29-jährigen Irina A. im Niddapark. Die Leiche der Frau wies mehr als 20 Stichverletzungen auf. Schnell geriet der Szene-Gastronom und ehemalige Geschäftspartner Jan M. unter Verdacht, Irina A. getötet zu haben. Heute Vormittag begann der Prozess gegen M. wegen Mordes aus Habgier vor dem Frankfurter Landgericht. Zu der Verhaftung führten unter anderem das nachgewiesen falsche Alibi sowie Blutspuren von ihm, die in der Nähe des Tatorts gefunden wurden. Das Motiv sieht die Staatsanwaltschaft in offenen Schulden, die Jan M. bei Irina A. gehabt haben soll und nicht begleichen konnte. Er soll sich mit Irina A. zu einem Spaziergang verabredet haben. Dann sei es zu einem Streit gekommen, bei dem der Mann die Frau mit etlichen Messerstichen tötete, anschließend auf eine Wiese schleifte. Nach der Tat soll er ihr einen Diamantring, eine wertvolle Uhr sowie den Autoschlüssel entwendet haben.

Jan M. hat die Tat von Anfang an bestritten. Dies hat sich auch zu Prozessbeginn nicht geändert: „Ich habe Irina nicht umgebracht oder etwa umbringen lassen“, ließ M. am Vormittag vor Gericht seine Rechtsanwälte vortragen. „Was ich jetzt aus der Akte über die Tat weiß ist entsetzlich.“ Auch das Motiv sei reine Spekulation. „Selbst, wenn ich beispielsweise finanzielle Schulden bei ihr gehabt hätte, was ich nicht hatte, hätte mich das nicht motivieren können, einen solch ungeheuren Schritt ihr gegenüber auch nur anzudenken“, so M.

Nach der Tat wurde jedoch auch immer wieder über ein weiteres Motiv des Angeklagten spekuliert. Denn Jan M. und Irina A. sorgten im Jahr 2017 deutschlandweit für Aufsehen: in der Bild-Zeitung berichteten beide von angeblichen massenhaft sexuellen Übergriffen durch Ausländer an Silvester 2016 in der Bar „First In“, die Jan M. gehörte. Als die Polizei diese Angaben jedoch auf ihre Richtigkeit überprüfte, stellte sich heraus, dass Irina A. in dieser Nacht gar nicht in Frankfurt gewesen ist und die Übergriffe nie stattgefunden haben. Im Juni 2018 sollte es zum Prozess wegen der Falschaussage kommen. Diese Vorwürfe wies M. ebenfalls von sich. „Auch der damals vor uns liegende Prozess wegen der sogenannten ‚Frankfurter Sex Mob-Affäre‘ hat mich zu keinem Zeitpunkt darüber nachdenken lassen, Irina als Mitwisserin zu beseitigen, wie wohl spekuliert worden ist.“ Beide seien entschlossen gewesen, ihre Fehler einzugestehen. M. selbst vermute, dass Geldwäsche der Grund für den Tod von Irina A. sei und beruft sich dabei auf eine Aussage der Zeugin Anastasia T., die in einer Vernehmung im Mai 2018 ebenfalls Geldwäsche vermutete.

Doch wie kommen dann die Blutspuren des Angeklagten an den Tatort? Auch dafür liefert der Gastronom eine Erklärung: Irina A. habe ihm von einem Treffen mit einem potenziellen Geschäftspartner berichtet und ihn gebeten, sie zu begleiten, was M. jedoch ablehnte. Nachdem sich Irina A. nicht wie vereinbart nach dem Treffen bei ihm gemeldet habe, habe er nachts nachsehen wollen, ob sie sich immer noch in einem der Lokale am Niddapark aufhalte. Dabei habe er die Leiche der Frau entdeckt. „Ich hatte das Gefühl, einen mentalen Schock zu bekommen und hatte keine Ahnung, was ich richtigerweise tun sollte“, schreibt M. in seiner Erklärung. Er habe sich danach dazu entschieden, seine Anwesenheit im Niddapark und das Auffinden der toten Irina A. zu verschweigen. „Darüber, ob das eine richtige Entscheidung war, wird man sicherlich streiten können“, so M. Die gefundenen Blutspuren könne er sich nur so erklären, dass eine Wunde, die er sich zuvor am Handballen zugezogen hatte, durch „irgendeine heftige Bewegung wieder aufgeplatzt sein“, gibt M. an.
 
27. August 2019, 12.31 Uhr
Elena Zompi
 
 
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