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Foto: red
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Jüdische Gemeinde: Wachcontainer

Schutz der Religionsfreiheit

Anstatt in einem alten VW-Bus ist das Wachpersonal des Ignatz Bubis-Gemeindezentrum nun in einem Container untergebracht. Verbesserte Arbeitsbedingungen für die Polizeibeamt:innen sollen helfen, den Schutz für die Jüdische Gemeinde zu erhöhen.
Der Schutz von Jüdinnen und Juden sowie jüdischer Einrichtungen in Deutschland ist bereits seit Jahren ein vieldiskutiertes Thema. Der Anschlag auf die Synagoge in Halle vor rund einem Jahr ist nur ein besonders furchtbares Beispiel für den Hass, dem sich Jüdinnen und Juden auch 75 Jahre nach dem Nationalsozialismus täglich ausgesetzt sehen.

Auch in Frankfurt werden die Gebäude der Jüdischen Gemeinde durch die Polizei und zusätzliches Wachpersonal geschützt; mit Maschinenpistolen bewaffnete Einsatzkräften vor der Synagoge oder dem Kindergarten sind ein alltägliches Bild. Die Einschätzung der Gefährdungslage liegt beim Landeskriminalamt (LKA). Der Anschlag von Halle hat jedoch gezeigt, wie schwer ebendiese Gefährdungslage zu bestimmen ist und wie fatal die Folgen mangelnder Sicherheitsmaßnahmen sein können.

Zum Schutz des Schulneubaus und des Ignatz Bubis-Gemeindezentrums auf der Westendstraße hat die Jüdische Gemeinde Frankfurt daher einen Container für das Wachpersonal bauen lassen. Am Dienstvormittag wurde dieser vom Frankfurter Polizeipräsidenten Gerhard Bereswill und dem Sicherheitsdezernenten der Jüdischen Gemeinde, Leo Latasch, offiziell eingeweiht. Die Sicherheit werde durch den Wachcontainer deutlich erhöht, betonte Latasch. Die Sicht sei besser und so könnten sich die Beamt:innen besser auf ihre Aufgaben konzentrieren – auch, wenn im äußersten Notfall mal eine Waffe gezogen werden müsse. Zudem wolle man zeigen, so Latasch, dass die Zusammenarbeit mit der Frankfurter Polizei „exzellent“ funktioniere: „Ich könnte es mir nicht besser vorstellen.“

Bisher hatten die Polizist:innen ihre Schicht in einem alten VW-Bus in einer seitlichen Einfahrt verbracht, meist mit Stromanschluss, um so wetterbedingt den Betrieb eines Ventilators oder einer Heizung zu ermöglichen. Auch bei der Bewachung vieler Banken in Frankfurt sei das Gang und Gebe. Nun wolle man auch in dieser Hinsicht mit einem positiven Beispiel vorangehen und den Beamt:innen ein angenehmeres Arbeitsumfeld schaffen. „Der Wachcontainer ist mit einer Klimaanlage und einer Heizung ausgestattet. Vielleicht überlegen sich ja dann auch einige Banken, etwas Geld für einen solchen Container in die Hand zu nehmen“, sagte Latasch.

Rund 90 000 Euro habe der Wachcontainer die Jüdische Gemeinde gekostet und etwa sechs Monate Bauzeit in Anspruch genommen. Insgesamt wurden in der jüngeren Vergangenheit rund zwei Millionen Euro in den Ausbau von Sicherheitsvorkehrungen investiert. Den überwiegenden Teil der Kosten finanziert die Jüdische Gemeinde aus eigenen Einnahmen, hinzu kommen Einnahmen aus dem Stadtvertrag mit der Stadt Frankfurt und dem Staatsvertrag des Landes Hessen und dem Landesverband der Jüdischen Gemeinde. Es sei wichtig, betont Leo Latasch, dass die Gemeinde die immensen Kosten nicht alleine aufbringen müsse.

Mit den Beamten, die den Wachdienst frisch antreten, mache man zuerst eine Führung durch das Gebäude und zeige ihnen die Schule, um etwas Empathie und Verbundenheit herzustellen, ergänzte Harry Schnabel, Dezernent für die Lichtigfeld-Schule. „Wir sind sehr dankbar, dass sie nicht nur die Kinder und Jugendlichen beschützen, sondern eben auch die Religionsfreiheit. Aber es ist auch schade, dass das überhaupt nötig ist“, so Schnabel. „In Sachsen-Anhalt müssen so viele jüdische Einrichtungen polizeilich überwacht werden, dass die Polizei dort zum Teil nicht mehr ihrer normalen Arbeit nachgehen kann. So schlimm ist es in Hessen und Frankfurt zum Glück noch nicht.“



 
28. Oktober 2020, 11.41 Uhr
Ronja Merkel/Johanna Wendel
 
 
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