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Goethe-Universität

Sorge um Forschungsstelle NS-Pädagogik

Der AStA der Goethe-Universität fürchtet um die Zukunft der Forschungsstelle NS-Pädagogik, nachdem die Zeitarbeitsverträge der bisherigen Leiterinnen nicht verlängert wurden. Es entstehe eine bedauernswerte Lücke, kritisieren die Studierenden.
2012 wurde die Forschungsstelle NS-Pädagogik der Goethe-Universität von Prof. Dr. Micha Brumlik und dem inzwischen im Ruhestand befindlichen Prof. Dr. Benjamin Ortmeyer gegründet. In den vergangenen Jahren konnte die Abteilung zahlreiche Diskussionen anregen. Zwischen 2016 und 2019 beispielsweise leisteten Ortmeyer und seine Studierenden wichtige Aufklärungsarbeit, als ein studentischer Arbeitsraum nach dem Industriellen und überzeugten Nationalsozialisten Adolf Messner benannt wurde. Fast drei Jahre dauerten die Proteste gegen diese Raumbenennung an und erweckten bei zahlreichen beteiligten Personen den Eindruck, die Goethe-Universität engagiere sich nur „in Phrasen gegen die Nazi-Verbrechen“, wie Benjamin Ortmeyer dem JOURNAL FRANKFURT im Februar 2020 sagte.

Die Auseinandersetzung um den Arbeitsraum ist nur ein Beispiel für die Relevanz der Forschungsstelle; nun fürchten Studierende jedoch um die Zukunft eben dieser Forschungsstelle. Wie der AStA der Goethe-Universität vor wenigen Tagen mitteilte, wurden die Zeitverträge der aktuellen Leiterinnen, Dr. Katharina Rhein und Dr. Z. Ece Kaya, nicht verlängert. „Die Goethe-Universität verliert dadurch nicht nur zwei hervorragende Wissenschaftlerinnen im Bereich der Historischen Bildungsforschung. Darüber hinaus verlieren die Studierenden zwei allseitig anerkannte und beliebte Lehrende, die in ihren Seminaren über NS-Pädagogik aufklärten“, so die AStA-Vorsitzende Kyra Beninga. „Die Nachwirkungen dieser Pädagogik in Lehre und Forschung bis in die heutige Zeit hinein wurden auf hohem wissenschaftlichem Niveau, praxisnah und anknüpfend an die Rassismuserfahrungen vieler Studierender thematisiert. Hier entsteht nun eine bedauernswerte Lücke.“

Die Forschungsstelle NS-Pädagogik sei in dieser Form „einmalig“ in Deutschland, heißt es weiter seitens des AStA. Es sei aktuell völlig unklar, wie die Arbeit weiter fortgesetzt werden soll. Zumal der bereits von langer Hand geplante Umzug der Forschungsstelle aus dem Bockenheimer Juridicum in einen Neubau in der Holzhausenstraße abgesagt wurde, laut AStA mit der Begründung, „die Bücher seien zu schwer“. „Nach neuesten Entwicklungen wurden die Forschungsstelle NS-Pädagogik aus dem Bereich der historischen Bildungsforschung ausgegliedert und einer neuen Professur zugeordnet, die von Herrn Prof. Dr. Wolfgang Meseth geleitet wird. Dieser steht nun vor der Aufgabe, sich über seinen eigentlichen Aufgabenbereich hinaus um die historische Bildungsforschung an der Forschungsstelle NS-Pädagogik zu bemühen, ohne über mit der historischen Bildungsforschung zur NS-Zeit vertraute personelle Ressourcen oder eine Raumperspektive zu verfügen“, monieren die Vertreter:innen des Studierendausschusses. „Wir befürchten, dass die Forschungsstelle bald nur noch dem Namen nach als ‚Briefkastenfirma‘ besteht, um ihren faktischen Abbau zu vertuschen.“

Der FAZ versicherte Wolfang Meseth, „die Forschungsstelle werde nicht abgewickelt und auch nicht umbenannt, aber eventuell ‚in einen größeren Zusammenhang eingeordnet‘.“ Ihm sei es wichtig, heißt es in der FAZ, „das Fortwirken der Nazi-Ideologie in die Gegenwart zu untersuchen sowie Bezüge zur heutigen Migrationsgesellschaft und zur politischen Bildung herzustellen.“ Seitens der Goethe-Universität heißt es zudem, die Befristung der Stellen von Dr. Katharina Rhein und Dr. Z. Ece Kaya sei von vornherein klar gewesen, es fehle schlicht an finanziellen Mitteln, um diese Stellen dauerhaft zu besetzen.

Der AStA wendet sich mit seiner Sorge unter anderem direkt an das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, das in der Vergangenheit die Arbeit der Forschungsstelle NS-Pädagogik unterstützt hatte. Eine Stellungnahme der Kunst- und Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Bündnis 90/Der Grünen) steht noch aus.
 
15. April 2021, 12.40 Uhr
rom
 
 
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