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Eine österliche Politposse

Im vergangenen Jahr schrieb der Bundestagsabgeordnete der Grünen, Omid Nouripour im Journal Frankfurt über das Ostertanzverbot. Wir dokumentieren an dieser Stelle seinen Text.
Auch Politiker haben ein Herz. Den Frankfurter Ordnungsdezernenten Volker Stein berührte jüngst das herannahende Osterfest. Ein Bürger wies ihn darauf hin, dass „öffentliche Tanzveranstaltungen“ den österlichen Frieden stören könnten. Diesen verstaubten Begriff hatte er im hessischen Feiertagsgesetz gefunden. Nun sah sich der oberste Ordnungshüter „gezwungen“, dieses Gesetz, das aus falsch verstandener Liberalität wohl in Vergessenheit geraten war, endlich „offensiv“ durchzusetzen. Für dieses Ziel setzte er sich sogar über die von seiner Partei ausgegebene forsche Parole „Verbote verbieten“ hinweg. Was als österliche Frankfurter Politposse begann, ist nun ein ernster Streit. Trotzige Kulturkämpfer à la Volker Stein führen das Rückzugsgefecht zu einer Welt, in der um halb sieben die Läden geschlossen wurden. Im Grundgesetz ist nirgendwo von einer Konfession die Rede, deren Interessen der Staat im besonderen Maße zu verfolgen hätte. Man stelle sich nur vor, was passieren würde, wenn ein Vertreter der Muslime oder Buddhisten forderte, man möge in Frankfurt an seinem religiösen Feiertag das Tanzen verbieten. Die Konflikte, die religiöse und kulturelle Pluralität zwangsweise mit sich bringt, löst man durch umsichtiges Handeln dort, wo die berechtigten Interesse von Gläubigen aller Konfessionen auf ungestörte Religionsausübung betroffen sind. Keine Osternacht, keine Karfreitagsruhe wird durch eine Party im Cocoon oder im Silbergold gestört. Es muss stets zuerst darum gehen, dass sich Interessengruppen miteinander verständigen und Kompromisse finden. Für die Bewahrung unserer christlichen Prägung oder den Schutz der Werte aber ist in diesem Land zum Glück nicht die Polizei zuständig. 

Erschienen im Journal Frankfurt, Ausgabe 11/2011.
 
4. April 2012, 12.10 Uhr
Omid Nouripour
 
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