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Einbürgerung in Frankfurt
 

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Einbürgerung in Frankfurt

Dienstag, 14 Uhr. Der Kaisersaal im Römer ist voll, die Stimmung feierlich. Obwohl sie noch ein klitzeklein bisschen festlicher sein könnte, wie Polizeipräsident Achim Thiel bemerkt: „Ein paar Kerzen wären noch schön. Aber ich will mich nicht beklagen, ich finde es toll, dass die Stadt überhaupt eine Feierstunde abhält“.


Etwa 300 Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern sind gekommen, sie meisten haben sich schick gemacht und sitzen nun mit glänzenden Augen auf den Stühlen. „Für mich ist das ein besonderer Tag. Ich bin ein bisschen aufgeregt und finde es sehr schön, dass ich hier eingeladen wurde“, sagt Agahvni Hermann. Die 35-jährige wird von ihrem Mann Lothar und den beiden Söhnen David, 7, und Dennis, 5, begleitet. Sie freut sich, nun die deutsche Staatsbürgerschaft zu haben, denn die mache vieles einfacher. Und doch: „Ich bin stolz, dass gleichzeitig armenisches Blut in meinem Körper fließt“, so die ausgebildete Dolmetscherin.


Amir Fazli lebt seit 19 Jahren in Frankfurt und hat sich ganz bewusst für den deutschen Pass entschieden: „Momentan ist es nicht gerade einfach mit einem iranischen Pass zu verreisen“, so Ali. Vor weniger als einem Jahr hat er den Einbürgerungsantrag gestellt und war nun überrascht, wie schnell es ging. Der BWL-Student ist gemeinsam mit seinem Bruder Ali und seiner Mutter Zahra in den Kaisersaal gekommen. Die Feierlichkeit kennen sie bereits, denn vor drei Jahren ist Ali Deutscher und Frankfurter geworden: „Der Rahmen ist schön, die Stadt gibt sich Mühe und das schätzen wir“, so Amir Fazli.


Dann singt der International Choir Frankfurt Beethovens „Freude schöner Götterfunken“. Im Anschluss begrüßt Oberbürgermeisterin die Neu-Frankfurter und heißt sie herzlich willkommen: „Mir Frankfodder, mir wolle zusammehalde“ beginnt sie ihre Rede und bittet darum, auch in den ersten Reihen Platz zu nehmen. Dann kommt sie auf die lange Frankfurter Tradition der Integration zu sprechen: „Zu allen Zeiten sind Menschen aus der ganzen Welt hierher gekommen und haben das Gesicht der Stadt, ihren Geist, die Vielfalt und Offenheit geprägt“, so die OB und verweist auf die bekannten Mäzenaten-Familien Brentano und Bolongaro, die beide einen italienischen Hintergrund hatten und zu richtigen Frankfurtern wurden, genau so wie die nun hier Anwesenden. Roth hebt hervor, wie wichtig fremde Kulturen für den Aufstieg der Stadt gewesen seien und dass Frankfurt Menschen aus fremden Ländern brauche, die bereit seien, ein Wagnis einzugehen. Von der Verfassung ist die Rede, von der deutschen Sprache als Basis der Integration, von der Demokratie und vor allem von der Freiheit. Der Freiheit, eine eigene Meinung zu haben und diese öffentlich zu formulieren, aber auch von der Freiheit, die Meinung eines anderen zu ertragen und von der Streitkultur, „denn davon lebt die Demokratie“, so Petra Roth. Wahlkampftaktisch klug versäumt die Noch-OB es nicht, vor diesem Kreis auch auf die Wahlpflichten der Neubürger hinzuweisen – schließlich findet am 28. Januar 2007 die Oberbürgermeisterwahl statt und jede Stimme zählt!
Ihr Nachredner, Polizeipräsident Achim Thiel, spricht von den Rechten und Pflichten der Neubürger und appelliert an sie, sich stets weiterzubilden, Kompromissbereitschaft zu zeigen und dialogfähig zu sein: „Denn Demokratie basiert auf Toleranz!“ Das sei in Frankfurt, in dem der Ausländeranteil 30 Prozent betrage und 170 Nationen zusammenlebten, besonders wichtig: „Der Vorsatz zum positiven Miteinander ist unverbrüchlich, aber leicht ist die Integration nicht. Dazu ist ein guter Wille erforderlich, aber klare Regeln auch“, so Thiel.


Dann erklingt die Nationalhymne und alle, egal, ob Neu- oder Alt-Frankfurter, stehen auf. Zur Sicherheit ist der Text des Liedes der Deutschen auf der Rückseite des Programmablaufes abgedruckt. Damit auf wirklich jeder mitsingen kann!
Am Ausgang wird das Grundgesetz verteilt, geschmückt mit einem rot-weiß geflochtenen Stoffband. Dort liegen auch ein paar Stapel Bücher mit gelbem Einband: Der Struwwelpeter für die Kinder, die heute ihre Einbürgerung gefeiert haben - auch eine Art Grundgesetz. Zumindest in Frankfurt.



Text und Foto: Julia Graff

 
21. November 2006, 00.00 Uhr
red
 
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