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Das war 2007

Der Januar beginnt mit Dany Cohn-Bendit: Die Deutsche Presse-Agentur schmökert zwischen den Tagen im JOURNAL FRANKFURT und verbreitet, dass unser Kolumnist nicht zur Oberbürgermeisterwahl gehen möchte, sondern lieber zum Brunch.


Auch ohne Cohn-Bendits Stimme wird Petra Roth (CDU) im Februar im Amt bestätigt. Bis 2013 müssen wir nun noch mit ihr leben. Und Henrico Frank, der Arbeitslose, den SPD-Chef Beck anschnauzte, findet einen Job bei einem Frankfurter TV-Sender.


Im März wurde Zoo-Chef Christian Schmidt gefeuert, weil die Zustände im Tierpark „unhaltbar“ waren. So richtig tierfreundlich sah der Zoo noch nie aus. Gut, dass das der Stadt auch mal auffällt. Eingesperrt bleiben die Tiere natürlich weiterhin. Das ist nie schön. Davon kann auch die Frau berichten, die sich von ihrem muslimischen Mann scheiden lassen wollte und an der Auslegungsfreude einer Frankfurter Richterin scheiterte: der Koran erlaube das nicht. Riesen Aufschrei, Richterin beurlaubt, Ehe beendet.
Im April nimmt die Restauration ihren Lauf: Einige Bürger wollen die Altstadt in den Grenzen von 1937 wiedererstehen lassen. Bei der ersten Debatte am Ort des Geschehens gehen die Meinungen auf der JOURNAL-Bühne auseinander. Ein Glück, dass die Kunstmesse fine art fair die Köpfe belüftete.
Erinnern Sie sich noch an Jürgen Emig? Der war mal Sportchef beim hr und hätte auch eine Kopfbelüftung nötig gehabt. Im Mai, drei Jahre nach Emigs Kündigung, präsentierte die Staatsanwaltschaft das saftige Ergebnis: 600000 Euro Schmiergelder hat Emig kassiert. Besser, man verdient sein Geld auf ehrliche Weise. Wie Wissenschaftsminister Udo Corts. Der hat die Schnauze voll von Politik und will von kommendem Jahr an „der Wirtschaft“ zur Verfügung stehen. Klar: Die jungen Menschen können ganz schön nerven. Sie bieten aber auch Chancen. Denkt man zumindest bei der Frankfurter Rundschau: Chefredakteur Uwe Vorkötter macht sie kleinformatiger und jünger. Das soll Frauen anziehen. Ah ja.


Von Butzbach hört man sonst nur, weil die NPD von dort aus mit kruden Videos (siehe S. 24) von sich reden macht. Da war der Hessentag im Juni mal ’ne Abwechslung. Sowieso ein Monat der Überraschungen. Zwei Jahre bevor der Vertrag von Schauspielin-tendantin Elisabeth Schweeger endet, wird ihr Nachfolger vorgestellt. Ein Kunstwerk bei der documenta wird umgeweht und ist danach doppelt so viel wert. Kultusministerin Wolff will die Schöpfungslehre im Bio-Unterricht einführen. Dann outet sie sich als Lesbe. Ein Paralleluniversum!


Nazis und Homosexuelle bestimmen auch im Juli die Nachrichten. Erst demonstriert die NPD in Hausen unter dem Schutz von 8000 Wachtmeistern, dann Schwule und Lesben beim CSD. Und die schwarz-grünen Spaßpolizisten wollen ein von der SPD vorgeschlagenes Badeschiff auf dem Main nicht finanzieren. Wie zum Beweis der Geldnot wird später noch der Eintritt für die Schwimmbäder kräftig erhöht.


Im August taucht ein Totgeglaubter wieder auf: Ebby Thust! Unser Reporter Christoph Schröder hat den legendären Boxpromoter getroffen – mittlerweile lebt Thust auf Mallorca und genießt das Leben.
Der September ist der Monat der schlechten Nachrichten: Vor einem Krankenhaus wird ein Rabbiner angegriffen. CDU-Koryphäe Manfred Kanther kommt im Schwarzgeldprozess mit einer Geldstrafe davon. Und die SPD wählt Andrea Ypsilanti zur Spitzenkandidatin für die Landtagswahl.


Der Konservativismus hat es im Oktober nicht leicht. Die FAZ erscheint nämlich mit ganz vielen Fotos und mit ganz wenig Frakturschrift. Und im Zoo werden Flamingos getötet! Gibt es keinen Anstand mehr? Einzige gute News im Rollback-Biz: Der verklemmte Literat Martin Mosebach bekommt den Büchnerpreis.
Die Edelhure Rosemarie Nitribitt ist schon ganz schön lange tot, 50Jahre, um genau zu sein, aber ihr Schädel wird immer noch aufbewahrt. Aus kriminalistischen Motiven. Wenn Ihnen diese Nachricht aus dem November noch nicht krank genug ist, dann dürfen wir noch darauf verweisen, dass es tagelang kein wichtigeres Thema gibt als: ob der Apfelwein noch Apfelwein heißen darf. Und dass Jugenddezernentin Daniela Birkenfeld betrunken zur Polizei fährt, um Anzeige zu erstatten. Wegen Diebstahls. Das Einzige, was an diesem Abend allerdings nicht aufgefunden wird, ist Birkenfelds Verstand. Und Roland Koch wird mit 99,4 Prozent zum Spitzenkandidaten gewählt. Verrückt, diese CDU.


Im Dezember knallen bei uns die Sektkorken: Hurra, endlich wieder sauberer Atomstrom aus Biblis. Nach einem Jahr akribischer Dübelbestückung läuft das Ding wieder. Strahlend ins nächste Jahr. Goodbye, sunshine! Hello, 2008!

 
31. Dezember 2007, 13.59 Uhr
Nils Bremer
 
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