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Foto: Symbolbild © Imago/Thomas Trutschel/photothek.de
Foto: Symbolbild © Imago/Thomas Trutschel/photothek.de

Alkoholberatung

Hilfe suchen vor der Abhängigkeit

Die Corona-Pandemie hat auch Einfluss auf den Alkoholkonsum der Menschen. In Frankfurt haben 2020 deutlich mehr Betroffene eine Alkoholberatung in Anspruch genommen als vor der Pandemie. Dabei sind die Betroffenen nicht nur jünger, sondern suchen auch früher Hilfe.
Einsamkeit, Stress, weniger Privatsphäre zu Hause – aus Gründen wie diesen haben während der Corona-Pandemie mehr Menschen in Frankfurt eine Alkoholberatung in Anspruch genommen. Bei der Alkoholberatung der Evangelischen Suchthilfe kamen etwa 25 Prozent mehr Anfragen an als noch vor der Pandemie. Vor allem die Gruppe der 30- bis 40-Jährigen ist gewachsen.

„Auffällig ist auch, dass die Menschen sich schon in früheren Stadien bei uns melden. Meist sind sie dann noch nicht in einer Abhängigkeit, sondern merken einfach, dass sie immer öfter Alkohol trinken“, sagt Martin Meding, Leiter der Suchtberatung des Evangelischen Regionalverbands Frankfurt und Offenbach im Evangelischen Zentrum am Weißen Stein. Während es normalerweise etwa zehn Jahre dauere, bis die Betroffenen sich wirklich Hilfe suchten, seien die Menschen während der Pandemie deutlich früher in die Beratung gekommen. Das Risiko einer Abhängigkeit könne dadurch minimiert werden, sagt auch Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Bündnis 90/Die Grünen).

„Im Home-Office ist das Feierabendbier vorgerückt“

In den meisten Fällen sind es aber zuerst Familienangehörige, die sich an die Alkoholberatung wenden, erzählt Martin Meding. Seit Corona hätten sich mehr als doppelt so viele Angehörige bei der Evangelischen Suchtberatung gemeldet. „In der Pandemie ist zu Hause alles enger, man kann sich nicht mehr so gut aus dem Weg gehen. Da fällt sowas natürlich eher auf.“ Die Gründe für den Alkoholkonsum sind dabei von Person zu Person unterschiedlich: Fehlende soziale Kontakte durch den Lockdown, ein verlorener Job, familiäre Probleme – all das kann zu verstärktem Alkoholkonsum führen. „Dadurch, dass die Gastronomie geschlossen war, ist auch das Trinken alleine zu Hause mehr geworden. Und durch das Home-Office ist das Feierabendbier von 18 Uhr schon auf 16 Uhr vorgerückt“, sagt Meding.

In den Gesprächen mit der Evangelischen Suchtberatung geht es zunächst darum, den Alkoholkonsum einzuordnen. Trinke ich wirklich zu viel, oder ist es noch in Ordnung? Kann man schon von einer Abhängigkeit sprechen oder nicht? Je nach Stadium folgen dann Empfehlungen für eine „abstinenzorientierte“ Therapie, oder für das Programm „Kontrolliertes Trinken“. Vor allem für Menschen, die noch nicht in einer Abhängigkeit sind, sei das eine Lösung. Gemeinsam wird dabei genau festgelegt, wie viele Trinktage in der Woche und wie viel Alkohol am Tag maximal erlaubt ist. Die Betroffenen halten alles in einem Trinktagebuch fest, das regelmäßig in der Beratung besprochen wird. „Außerdem geht es in den Gesprächen auch um Tipps, um hohen Konsum zu vermeiden und um die Lebensgeschichte, Erfahrungen mit Alkohol sowie die einzelnen Lebensbereiche“, erklärt Meding.

Telefon- und Videoberatung sollen bleiben

Die Pandemie hat jedoch nicht nur die Zielgruppe der Suchtberatung, sondern auch die Termine an sich verändert: Gespräche fanden größtenteils per Telefon oder Video statt. Jetzt kehren die Präsenztermine langsam zurück; die neuen Formate sollen aber bleiben. Auch, weil die Hemmschwelle dadurch gesunken sei. Vor allem die Kontaktaufnahme per Telefon statt – wie früher – in Präsenz habe sich bewährt. Und auch die Videoberatungen werden beibehalten: „Auf diese Weise habe ich zum Beispiel eine Angehörigenberatung mit einer Person in China gemacht, deren Eltern in Frankfurt leben; oder eine Familienberatung mit Menschen, die in ganz Deutschland verteilt sind“, erinnert sich Meding.

Mit der Pandemie hat sich der Personenkreis, der die Alkoholberatung der Evangelischen Suchtberatung in Frankfurt in Anspruch nimmt, deutlich erweitert. „Die Pandemie hat viele, häufig verdeckte Probleme verschärft, sagt auch die Leiterin des Drogenreferats, Regina Ernst. Auch vonseiten der Stadt sollen Betroffene daher Unterstützung bekommen. Das Drogenreferat der Stadt hat angekündigt, das Programm „Kontrolliertes Trinken“ mit zusätzlichen Mitteln fördern zu wollen. „Es ist unser Ziel“, so Ernst, „dass Betroffene in Frankfurt passende und zeitnahe Hilfe für sich finden können.“
 
5. August 2021, 13.25 Uhr
Laura Oehl
 
Laura Oehl
Jahrgang 1994, Studium der Musikwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt, Journalismus-Master an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, seit Dezember 2020 beim JOURNAL FRANKFURT. – Mehr von Laura Oehl >>
 
 
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