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Hochschul-Gewerkschaft an der Goethe-Uni
 

Hochschul-Gewerkschaft an der Goethe-Uni

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Maulwurfshügel auf dem Campus

Foto: Tamara Marszalkowski
Foto: Tamara Marszalkowski
Befristete Verträge sind für wissenschaftliche Mitarbeiter weit verbreitet. Von Sicherheit keine Spur. Eine neu gebildete Gewerkschaft an der Goethe-Uni will das nun ändern: Es ist die erste Gewerkschaft für den Unterbau
Das Mobiliar im Raum wirkt zusammengewürfelt, an den Wänden befinden sich Malereien. "Bei den Offenen Treffen ist alles möglich. Die Vollversammlungen laufen formeller ab", so Anna Yeliz Schentke. Sie ist Sprecherin von "Unterbau", der neu gegründeten alternativen Hochschulgewerkschaft. Der Name ist Programm. Die Gewerkschaft richtet sich dezidiert an den Unterbau der Hochschule und sei offen für die unterschiedlichen Beschäftigten und Statusgruppen im Hochschulbetrieb, mit einer Ausnahme: den Professoren.

"Den größten Anteil bilden bei uns wissenschaftliche Mitarbeiter, Promovierende und Studierende", so Schentke. Sie seien die Hauptträger. Doch richte sich Unterbau zum Beispiel auch an externe Arbeitnehmer. "Die Hochschulleitung hat einiges an der Uni outgesourced", so Manuel Müller. Auch er ist Teil des Presseteams. Für einige Dienstleistungen sind Fremdunternehmen zuständig wie zum Beispiel Sicherheitsdienst und Objektbetreuung. Unter anderem seien auch Zeitarbeitsunternehmen unter den externen Unternehmen dabei, kritisiert Müller. So würden sich nicht nur Hilfskräfte und wissenschaftliche Mitarbeiter von einem Kurzzeitvertrag zum nächsten hangeln. "Es ist unser Ziel, Langzeitverträge wieder in den Hochschulbetrieb reinzuholen", so Müller.

Olaf Kaltenborn, Sprecher der Goethe-Uni widerspricht dem jedoch. Ein übermäßiges Auslagern universitärer Dienstleistungen habe in Frankfurt nicht stattgefunden. "Eine wichtige Voraussetzung für die 2008 von der Universität vollzogene Umwandlung in eine Stiftung des öffentlichen Rechts war eine Vereinbarung der Tarifparteien darüber, dass wichtige universitäre Dienstleistungen dauerhaft innerhalb der Universität verbleiben", so Kaltenborn. Damals habe die Goethe-Uni auch Tarifautonomie erhalten. Es sei auch an anderen Hochschulen üblich, Dienstleistungen wie Reinigungsaufgaben und Sicherheitsdienste an externe Unternehmen zu vergeben. "Der Vorwurf, die Uni würde Mitarbeitende in Teilzeitverträge zwingen, entbehrt jeder Grundlage. Mitarbeitende genießen bei uns ein hohes Maß an Flexibilität bei der zeitlichen Gestaltung ihres Arbeitseinsatzes", sagt Kaltenborn.

Die alternative Gewerkschaft stoße jedoch auf großes Interesse. Rund 50 Aktivistinnen und Aktivisten würden an der Gründungsphase mitarbeiten. "Wir wachsen schnell und stark. Das ist schön, birgt aber auch Risiken", so Schentke. Man sei um eine transparente Struktur bemüht. Für Interne gebe es auch ein Wiki. Wieso nutzt Unterbau nicht einfach schon gegebene Strukturen, wie die von Verdi oder der GEW (Bildungsgewerkschaft)? "Verdi oder die GEW können nicht alles abdecken. Wir wollen keine Konkurrenz darstellen, sondern impulsgebend sein und solidarisch mit allen zusammenarbeiten", so Müller. Nur Professoren dürften keine Mitglieder werden. Lediglich formell können sie den Unterbau unterstützen. "Die Profs haben die Mehrheit in den Gremien. Sie können potentielle Arbeitgeber werden", so Müller.

Olaf Kaltenborn hingegen kritisiert an den von Unterbau beschriebenen Punkten, dass sich diese nicht auf eine spezifische Frankfurter Situation beziehen. Vielmehr seien sie zum Teil auch das Ergebnis einer zunehmenden wettbewerbsorientierten Finanzierung des deutschen Wissenschaftssystems. Auch die ungleiche Verteilung von Finanzressourcen zwischen Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen würde zu diesen Bedingungen führen. "Wir bemühen uns im Rahmen der universitären Finanzressourcen sehr darum, dauerhaft anfallende Aufgaben in unbefristeten Beschäftigungsverhältnissen wahrzunehmen" so Kaltenborn. Die Goethe-Universität fordere seit Jahren im Verbund mit anderen Universitäten eine auskömmlichere Grundfinanzierung. "Nur so ist es möglich, die Anzahl unbefristeter Stellen zu erhöhen", so Kaltenborn. Viele neue Stellen, insbesondere für Nachwuchswissenschaftler, seien nur durch eine dynamische Drittmittelentwicklung möglich gewesen.

Die alternative Gewerkschaft befindet sich noch in ihrer Gründungsphase. Man habe jedoch bereits seit Ende 2014 an dem Vorhaben gearbeitet. "Wir wollen mit möglichst vielen an der Gestaltung der Gewerkschaft arbeiten", so Schentke. Doch Unterbau mache sich nichts vor. Auf ihrer Homepage heißt es: "Die Gründung einer Basisgewerkschaft ist ein ambitioniertes Projekt, das eine große Verantwortung mit sich bringt. Wenn nicht genügend Aktivist_innen und Mitglieder aus den verschiedenen Status- und Beschäftigtengruppen der Hochschule an dem Projekt teilhaben, kann das Projekt als gescheitert gelten."
10. Mai 2016
Tamara Marszalkowski
 
Tamara Marszalkowski
Theaterredakteurin. Jahrgang 1987, Studium der Kunstgeschichte, Ethnologie und Pädagogik in Frankfurt, seit 2015 beim Journal Frankfurt. – Mehr von Tamara Marszalkowski >>
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