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Campus Bockenheim

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Einsam wacht das Studierendenhaus

Der Campus Bockenheim ist so gut wie verwaist, fast alle Fachbereiche sind zum IG-Farbenhaus umgesiedelt. Ausgerechnet das Studierendenhaus fehlt aber noch – und das bis 2017. Beim AStA ist man nicht erfreut.
Die Befürchtungen von David Malcharczyk sind nicht eingetroffen: Sowohl das Studierendenhaus als auch das Café KOZ auf dem Campus Bockenheim werden nach wie vor verhältnismäßig stark frequentiert, berichtet das Mitglied des AStA-Vorstandes. Er studiert Politik und Jura, wie so viele inzwischen ausschließlich auf dem Campus Westend. „Mein ganzer Alltag hat sich dadurch massiv verändert“, berichtet er.

Wie ihm geht es zahllosen anderen Studenten. Es gibt zwar noch vereinzelte Lehrveranstaltungen in Bockenheim, doch die sind spätestens seit dem vergangenen Sommersemester rar gesät. „Die Studenten haben immer noch einen starken Bezug zum alten Campus“, sagt David Malcharczyk. Das merke er daran, dass allen Widrigkeiten zum Trotz der AStA im Studierendenhaus häufig aufgesucht werde. Doch Probleme, die sich durch die Distanz zum Campus Westend ergeben, blieben nicht aus.

Diskrepanzen und Ressentiments, mit denen sich Studenten unterschiedlicher Fachbereiche einander begegnen, würden auf dem Campus Westend umso deutlicher. Den einen gefällt der neue Campus mit seinen Prestigeobjekten (beispielsweise den wechselnden Skulpturenausstellungen auf dem Rasen), andere möchten sich selbst ausdrücken und Einfluss nehmen. Daraus ergeben sich unvereinbare Positionen darüber, wie eine Universität sein sollte. David ist sich sicher, dass der AStA bei diesen Konflikten besser hätte intervenieren können, wäre das Studierendenhaus bereits umgezogen. Der Umzug jedoch lässt schätzungsweise drei weitere Jahre auf sich warten. Bisher wurde noch kein einziger Stein gelegt.

Den ersten Planungen zufolge war eine Eröffnung für die Jahre 2003/2004 geplant, berichtet der AStA-Vorsitzende. „Wäre das Studierendenhaus damals tatsächlich gebaut worden, läge es jetzt zentral auf dem Campus.“ Stattdessen wird das Haus, das laut dem Präsidium der Universität voraussichtlich Anfang 2017 öffnet, am Rande des Campus gebaut. Da der AStA im Gremium sitzt, das über den Baustil entscheidet, erhofft sich Malcharczyk ein Mitspracherecht, um durch eine optische Abgrenzung zu den restlichen Gebäuden wie beispielsweise dem Hörsaalzentrum zumindest Akzente setzen zu können. Bis es soweit ist, wird das Studierendengebäude weiter am gewohnten Ort bleiben.

Ein provisorisches Büro für Serviceleistungen des AStAs wurde in der Nähe der Kindertagesstätte im Westend eingerichtet. Der neue Campus wirke im Vergleich zu Bockenheim durch Zäune und Überwachungskameras sehr abgeschottet, während der alte zugänglich für alle mitten im Viertel liege, argumentiert Malcharczyk. Die bereits bestehenden, studentisch verwalteten Freiräume auf dem Campus Westend, namentlich Anna Blume und das Philosophencafé im IG-Farbenhaus, die Trinkhalle am Bremer Platz und das TuCa im Exil im neu eröffneten PEG-Gebäude, mussten seitens der Studenten hart erkämpft werden, bis sie diese durchsetzen konnten.

David Malcharczyk hält Freiräume und ein Studierendenhaus für elementar. „Das zeigt den Studierenden, dass sie politischen Einfluss auf Sachen, die sie selbst betreffen, nehmen können. Außerdem lernen sie dadurch, sich selbst zu verwalten“, meint er. Die Entwicklung der Goethe-Universität in Frankfurt sieht er wie viele andere als problematisch an. Durch das modularisierte Bachelor-System zusätzlich verstärkt werde enormer Leistungsdruck auf die Studenten ausgeübt. Sie müssten schnell durchgeschleust werden, damit die Gelder des Landes fließen. Dabei sei die Haltung des Präsidiums nicht zielführend, es werde den Studenten „Lebensperspektive genommen“, statt ihnen die Möglichkeit zu geben, sich kreativ und innovativ zu betätigen. Den Konformitätsdruck solle man nicht unterschätzen. Die Funktion eines Studierendenhauses sieht der Asta als unerlässlich an. Dadurch würden kulturelle Aktivitäten gefördert und das politische Bewusstsein entwickelt, was auf dem Campus Westend zu kurz käme. David Malcharczyk formuliert es so: „Universität muss mehr sein als das Ableisten von Leistung!“

Mehr Informationen zu den Freiräumen, die sich die Studenten auf dem Campus Westend erkämpft haben, finden Sie im aktuellen Uni-Journal, das kostenlos an der Universität ausliegt. Darin außerdem: 275 Tipps und Adressen, 17 Gutscheine und viele spannende Artikel rund um das Studentenleben in Frankfurt.
17. Oktober 2013
Isabella Caldart
 
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Leser-Kommentare

Kommentieren
 
Gesine Wehr am 19.10.2013, 11:36 Uhr:
Sehe ich ja mal genau anders , Herr Lange. Die Bebauungskonzepte zum Kulturcampus haben sich in den letzten Jahren zum Nachteil der Stadt entwickelt. Das Studierendenhaus stellt mit seiner ganzen Infrastruktur (Café, Filmvorführungen, Tanzboden, Kindergarten und Kulturräume) auch weiterhin einen unverzichtbaren Raum im Stadtteil Bockenheim dar. Ebenso die UB, die ein Ort der Begegnung und Bildung ist und nebenbei jedem Menschen offen steht. Dort trifft Student auf Bildungsbürger ebenso wie auf Arbeitslosen, der seine Zeitung liesst. Dort findet Austausch zwischen Menschen, Kulturen und den verschiedensten Wissenschaftszweigen statt. Und das würde ich ungern missen wollen.
Ich finde ein Campus-Ghetto, so wie es gerade entsteht unerträglich, weil abgekapselt von den Realitäten. Ihr Kulturverständnis, dass Bücher und alte Drucke als störend empfindet, verwirrt mich.
Das der Campus zur Zeit keinen Raum für die Arbeit des Astas hat, ist doch Ausdruck einer gewollten Entpolitisierung der Jugend - angepasste Arbeiterbienchen statt mündige, denkende Bürger. Ein Armutszeugnis, wenn man sich die kritische Tradition dieser Uni anschaut.
 
Ralph Lange am 18.10.2013, 16:47 Uhr:
Das Studierendenhaus ist nicht das Einzige Überbleibsel der Uni in Bockenheim. Auch die Universitätsbibliothek steht weiterhin an der Bockenheimer Warte und blockiert die Weiterentwicklung im Kulturcampus Bockenheim. Leider scheint es keine Kommunikation zwischen Frankfurt und Goetheuni zu geben, um das Miteinander von Stadt und Universität im Interesse der Studierenden und Einwohner zu positiv zu gestalten.
 
 
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