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Bahnhofsviertelmagazin
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Zwischenruf von Ulrich Mattner
 
Zwischenruf von Ulrich Mattner
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Heroin frei für Schwerstabhängige?
Foto: © Bernd Kammerer
Foto: © Bernd Kammerer
Über den Frankfurter Weg und die Zustände im Bahnhofsviertel wurde viel diskutiert, Ulrich Mattner, der Vorsitzende des Gewerbevereins des Bahnhofsviertels hat einen neuen Vorschlag: Warum nicht Heroin legalisieren?
Im Bahnhofsviertel prallen Welten aufeinander. Dank öffentlicher Förderung hat sich die Einwohnerzahl in zehn Jahren auf inzwischen 4000 verdoppelt. Früher galt das Viertel als No-go-Area. Heute wohnen wohlhabende Neubürger über Drogenelend und Straßenstrich. Das Quartier ist inzwischen nicht nur Szeneviertel, sondern auch größter Crack-Markt. Rings um die Taunusstraße werden Crack und Heroin offen gehandelt. Nachts liegen schwerkranke Süchtige vor den Haustüren. Es riecht nach Urin. Anwohner klagen über Lärm und Schlägereien. Straßenstrich, Wildpinkeln, Schlafen auf dem Bürgersteig – im Bahnhofsviertel scheint alles erlaubt. Selbst die täglichen Razzien einer hundert Mann starken Sondereinheit der Polizei vermögen den Drogenfluss nicht zu hemmen. Die Szene bleibt an keinem Tag unterversorgt.

Was ist zu tun? Fachleute empfehlen einen mit internationalen Drogenexperten besetzten Kongress, um weltweites Know-how nach Frankfurt zu bringen. Andere halten die Öffnung eines nächtlichen Treffpunkts für Drogenkranke etwa im leerstehenden Cafe Fixx für notwendig. Nachts haben alle Hilfseinrichtungen im Bahnhofsviertel zu. Auf der Straße konsumieren Suchtkranke mit gebrauchten Spritzen. Es fehlt eine medizinische Versorgung.

Wieder andere favorisieren einen großen Konsumraum, statt wie bisher drei Einrichtungen mit unterschiedlichen Betreibern. All dies wird den Dealern, die minderwertige Drogen mit einem Reinheitsgrad von acht bis vier Prozent zu überteuerten Preisen verkaufen, kaum Einhalt gebieten. Die Zeit scheint reif, über völlig neue Wege im bisher aussichtslosen Kampf gegen Drogenhandel nachzudenken. Etwa über die kostenlose Abgabe von Heroin unter medizinischer Aufsicht. Zumindest an die etwa 200 Schwerstabhängigen, die seit zig Jahren am Bahnhof konsumieren. Für Politiker ist dies mangels breiter Zustimmung und der gegenwärtigen Gesetzeslage kaum denkbar. Für Drogenkranke wäre es ein Weg aus Elend, Krankheit und Kriminalität.
5. September 2017
Ulrich Mattner
 
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Leser-Kommentare

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DS am 14.9.2017, 13:08 Uhr:
Ich bin kein Experte in Sachen Drogensucht und wie die Allgemeinheit bzw die Stadt hier helfen kann oder sollte.

In Sachen "Lebensqualität im Bahnhofsviertel" kenne ich mich da schon besser aus und teile die Meinung von @lundebeer, dass es hier neben den Drogenabhängigen/Dealern noch weitere Missstände gibt, beispielsweise Bettlerbanden, Zuhälter und andere Kriminelle. Ich wurde auch schon spätabends von zwei "Touristen" nach dem Weg in die Innenstadt gefragt - einer von beiden hat mir eine Straßenkarte vor die Nase gehalten und der andere hat versucht, mir mit der durch eine übergelegte Jacke versteckten Hand meinen Geldbeutel aus der Tasche zu ziehen...

Trotz all dem geht mir die einseitige Berichtserstattung von Journal Frankfurt / ZDF etc. gegen den Strich - es wird in den Berichten so getan, als ob man im kompletten Bahnhofsviertel um sein Leben fürchten müsse. Dazu habe ich zwei Punkte:

1. Es gibt nicht "Das Bahnhofsviertel" - jede Straße/Ecke ist komplett verschieden. Und jemand, der in die Taunusstraße zieht und so tut, als ob ihn das jetzt alles schockiert, hätte wohl vor dem Einzug besser recherchieren oder halt doch 2€ mehr pro Quadratmeter zahlen sollen
2. Es gibt viele positiven Erfahrungen im Bahnhofsviertel und Begegnungen von Menschen, die sonst nicht aufeinander getroffen wären. Dies kann eine gegenseitige Akzeptanz und meiner Erfahrung nach oftmals auch neue Erkenntnisse, Bekanntschaften oder sogar Freundschaften schaffen.

Vielleicht ginge durch eine positivere Berichterstattung einiges am "Mythos Bahnhofsviertel" verloren und es wäre weniger interessant für Schaulustige. Meiner Meinung nach, bringen die täglichen Führungen durch die "Frankfurter Unterwelt" und die kontinuierliche Angstmacherei in den Medien den Menschen hier nichts - meine Sorge ist eher, dass sich das Bahnhofsviertel zu einem "Alt Sachsenhausen" entwickelt und es nur noch um Essen, Trinken, Belustigung + Haare schneiden geht.
 
lundebeer am 11.9.2017, 10:46 Uhr:
Kommentardes Drogenreferats der Stadt Frankfurt am Main - ein Faktencheck zum Zwischenruf

Zur Heroinvergabe:
Im „Zwischenruf“ heißt es: „Die Zeit scheint reif, über völlig neue Wege (..) nachzudenken. Etwa über die kostenlose Abgabe von Heroin unter medizinischer Aufsicht. Zumindest an die etwa 200 Schwerstabhängigen, die seit zig Jahren am Bahnhof konsumieren.“

Richtig ist: Schwerstabhängige Menschen werden in Frankfurt seit Februar 2003 mit Diamorphin (Heroin) behandelt. Seit Oktober 2010 wird die diamorphingestützte Behandlung als Leistung von den Krankenkassen bezahlt. 150 schwerstabhängige Menschen in Frankfurt können unter medizinischer Aufsicht Heroin erhalten. Bereits 1993 hat die Stadt Frankfurt am Main beim Bundesgesundheitsamt in Berlin ein wissenschaftliches Forschungsprojekt zur Diamorphinvergabe beantragt. Im Verbund mit sechs weiteren Städten ist es nach jahrelangem Ringen gelungen, die Heroinvergabe als wissenschaftlich begleitetes Pilotprojekt durchzusetzen, das 2003 in Frankfurt startete. Inzwischen ist sie eine regelhafte Behandlung.

Zu den Konsumräumen
Im „Zwischenruf“ heißt es: es gibt „drei Einrichtungen“ für den Konsum von illegalen Drogen in Frankfurt am Main.

Richtig ist: Frankfurt am Main verfügt über vier Konsumräume mit 37 Plätzen zum intravenösen Konsum illegaler Drogen. Zusätzlich bieten zwei Einrichtungen im Bahnhofsviertel neun Rauchplätze. Zwei Konsumräume befinden sich direkt im Bahnhofsviertel (Drogennotdienst und Konsumraum Niddastraße), ein weiterer in unmittelbarer Nähe des Bahnhofsviertels (La Strada) und einer im Osten Frankfurts (Eastside).

Zustand im Bahnhofsviertel
Im „Zwischenruf“ heißt es: „Es riecht nach Urin. Anwohner klagen über Lärm und Schlägereien. Straßenstrich, Wildpinkeln, Schlafen auf dem Bürgersteig.

Richtig ist: All dies ist Realität im Bahnhofsviertel. Unlauter ist es aber, den Eindruck zu erwecken, dafür seien allein DrogenkonsumentInnen verantwortlich.

Angebot nachts
Im „Zwischenruf“ heißt es: „Nachts haben alle Hilfseinrichtungen im Bahnhofsviertel zu“

Richtig ist: Auch nachts stehen Hilfeangebote im Bahnhofsviertel offen. Seit dem 3. Juli 2017 sind außerdem SozialarbeiterInnen an sieben Tagen pro Woche von 23 Uhr bis 6 Uhr morgens im Bahnhofsviertel unterwegs. In einem Kleinbus bieten sie die Möglichkeit zum Gespräch, tauschen Spritzen, bieten individuelle Hilfen und den Shuttledienst mit dem Bus zu Schlafplätzen im Bahnhof, im Eastside in der Schielestraße oder im Ostpark an. Ziel ist außerdem die Vermittlung in weitergehende Hilfeangebote. Nach jetziger Bilanz gelingt es, Konsumierende nachts von der Straße zu holen. Einige Abhängige konnten motiviert werden, weitere Hilfen anzunehmen. Nach Befragungen von Drogenkonsumierenden und den Beobachtungen der SozialarbeiterInnen wird nachts vor allem inhalativ konsumiert.
Neben diesem mobilen Angebot in der Nacht, stehen im Bahnhofsviertel in der Nacht 40 Schlafplätze im Drogennotdienst und im La Strada zur Verfügung. Weitere 73 Schlafplätze bietet das Eastside in der Schielestraße.

Spritzentausch
Im „Zwischenruf“ heißt es: „Auf der Straße konsumieren Suchtkranke mit gebrauchten Spritzen.“

Richtig ist: Im Bahnhofsviertel muss niemand mit gebrauchten Spritzen konsumieren. Spritzen sind in allen Drogenhilfeeinrichtungen im Bahnhofsviertel rund um die Uhr erhältlich und werden dort auch entsorgt. Die Einrichtungen haben abgestimmte Öffnungszeiten. Der Drogennotdienst in der Elbestraße ermöglicht über eine Apothekerklappe den Spritzentausch auch nachts.
 
Brigitte Ghoreischian am 8.9.2017, 14:05 Uhr:
Lieber Ulrich Mattner, das was Du da als völlig neuen Weg propagierst gibt es in Frankfurt schon seit vielen, vielen Jahren in den Grünen Straße. Aber Substitution oder Heroinvergabe hilft halt nicht gegen Crack und all das andere Zeug.
 
Thomas Holz am 6.9.2017, 13:44 Uhr:
Falsch. Von dem Stoff kommen die meisten eben nicht runter. Schon garnicht die, die im Bahnhofsviertel landen. Was Herr Mattner da vorschlägt ist das einzig sinnvolle und trifft auch auf alle anderen illegalen Substanzen zu. Und woher sollen die Dealer kommen, wenn das Zeug günstig und sauber, also kontrolliert vergeben wird? Natürlich müsste man sich über Vergaberichtlinien Gedanken machen. Aber ich bin mir sicher, alles ist besser als das, was wir momentran haben.
 
Uwe Looschen (Pringles-AUTOMATde) am 6.9.2017, 10:08 Uhr:
Sollen dann noch mehr Junkies kommen? Und noch mehr gedealt werden? Es gibt nur eine wahre Lösung: Die Betroffenen müssen von dem Stoff runter kommen. Jeder andere Weg hilft dem Menschen nicht.
 
 
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