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Verfehlt die Taunusstraßeninitiative ihr Ziel?
 

Verfehlt die Taunusstraßeninitiative ihr Ziel?

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TAB gefällt nicht jedem

Foto: Gewerbeverein Treffpunkt Bahnhofsviertel
Foto: Gewerbeverein Treffpunkt Bahnhofsviertel
Künstler, Kreative und Gastronomen wollen am Samstag, unterstützt von der Stadt, bei TAB Sounds mit Live-Konzerten und Kunstaktionen die Taunusstraße beleben, der Gewerbeverein des Bahnhofsviertels sieht das kritisch.
Nicht alle Straßenzüge im Bahnhofsviertel sind gleichermaßen trendy. Die Taunusstraße hat auch durch eine sehr aktive Dealerszene und ein höheres Kriminalitätsaufkommen ein recht schlechtes Image. Dagegen möchte die Stadt angehen und unterstützt die Initiative TAB (Taunusstraße Arts und Bytes), an der sich Kreative und Künstler beteiligen. So sollen am Samstag, also zwei Tage nach der Bahnhofsviertelnacht, abends wieder kunstvoll gestaltete Laternen leuchten und es werden ab 18 Uhr Künstler wie Gastone, FEE und Wirtz auftreten, für das Publikum kostenfrei. Tagsüber soll die Taunusstraße gesperrt werden, damit die Straße einen bunten Anstrich erhalten kann. Schöne Pläne und auch die Möglichkeit, mal positive Nachrichten über die Taunusstraße zu verbreiten, wenngleich die Initiative eher sporadisch in Erscheinung tritt. Doch gerade einige Gewerbetreibende und Unternehmer, ebendie die am meisten über die Zustände der Taunusstraße geklagt haben, sehen die ganze TAB-Initiative skeptisch.

„Obwohl die Stadt mit dem TAB-Event die Geschäfte in der Taunusstraße unterstützen will, veranstaltet sie zu deren Nachteil eine Großveranstaltung“, teilt der Gewerbeverein Treffpunkt Bahnhofsviertel mit. Laut einer Umfrage des Gewerbevereins soll bis jetzt keines der betroffenen Geschäfte in der Taunusstraße von offizieller Stelle über eine etwaige Sperrung oder eine Veranstaltung benachrichtigt worden sein. „Damit verstößt die Stadt gegen die Genehmigung des Events, wonach sie sich verpflichtet hat, die Geschäftsleute rechtzeitig zu informieren“, sagt Ulrich Mattner vom Gewerbeverein.

„Bis heute wissen wir offiziell nicht, dass am Samstag als Haupteinkaufstag die Taunusstraße von 10 Uhr an gesperrt ist“, berichtet Walter Adler, einer der Inhaber von GM Foto. Er habe die Informationen vor einigen Tagen durch einen zufälligen Blick auf einen Facebook-Post vom TAB-Festival erhalten. „Schon im Vorjahr hatten wir wegen des – damals ebenfalls nicht angekündigten – ersten TAB-Festivals erhebliche Verdienstausfälle. Dieses Jahr mussten wir sogar einen für uns sehr wichtigen, seit Monaten aufwändig vorbereiteten Kunden-Event kurzfristig absagen.“

Bei GM Foto betrachtet man das TAB-Festival als geschäftsschädigend. „Wie bei der Bahnhofsviertelnacht seit vielen Jahren üblich, hätten wir uns gewünscht, rechtzeitig informiert zu werden,“ sagt Gesellschafter Markus Backes. Nun habe man viele eingeladene Kunden wieder ausgeladen. Denn weder Mitwirkende noch Kunden könnten am Samstag aufgrund der Sperrung vor dem Laden parken, selbst die Fahrt zum Parkhaus um die Ecke sei nicht möglich. Zudem behindere der lange Soundcheck, der bereits im Jahr zuvor massiv gestört habe, geplante Workshops und die Kundenberatung. „Uns wäre geholfen, wenn die Veranstaltung auf einen Sonntag verlegt wird oder woanders stattfindet“, sagt Adler. Denn der Samstag sei zumindest für GM Foto oftmals der umsatzstärkste Tag.

Dass es dieses Engagement gibt, die verrufene Taunusstraße aufzuwerten, das kommt hingegen schon gut an. „Allerdings darf das Festival nicht jenen schaden, denen es helfen soll“, sagt der Gewerbevereinsvorsitzende Ulrich Mattner. „Ein einmaliger Event alle zwölf Monate trägt nicht zur dringend notwendigen dauerhaften Belebung der Taunusstraße bei.“ TAB sei vor drei Jahren von der Stadt ins Leben gerufen, um die beiden traditionsreichsten Ladengeschäfte und Aushängeschilder der Taunusstraße – Cream Music als Kult-Musikladen und GM Foto als renommierte Adresse für Fotografie – im Bahnhofsviertel zu halten. Das Resultat: Die Situation habe sich in den vergangenen Monaten aufgrund einer Verlagerung der Drogenszene weiter verschlechtert. Vor zwei Monaten habe Cream Music daher das Bahnhofsviertel nach 115 Jahren verlassen.

„Das TAB-Festival ist eine tolle Sache; es ist aber nicht nachhaltig“, gibt Mattner zu bedenken. „Schon am Morgen danach sind die Dealer und deren Kundschaft wieder vor Ort. Es entspricht nicht dem ursprünglichen Ziel, die Taunusstraße mit vielen, über das gesamte Jahr verteilten Kleinkunst-, Streetfood- und Ausstellungsveranstaltungen zu bespielen.“ In der Taunusstraße seien lediglich bunte Lampions aufgehängt, die weder die Dealer verjagen noch ein anderes Publikum anzögen. Der Gewerbeverein, über dessen Kasse die Stadt TAB anfangs finanziert hatte, zog sich deshalb enttäuscht aus dem Projekt zurück. Ausschlaggebend war, dass die Stadt den Verein völlig unzureichend über Planungen, Finanzierung und Ziele der TAB-Veranstaltungen informierte. „Wir würden es begrüßen, wenn die Stadt die betroffenen Geschäfte und den Gewerbeverein künftig in die Planungen einbezieht“, regt Mattner an. „Dann könnten wir gemeinsam überlegen, wie wir den fünfstelligen Betrag, den die Stadt nach eigenen Angaben bisher jährlich für die Veranstaltung zur Verfügung gestellt hat, in eine nachhaltige Verbesserung der Situation auf der Taunusstraße investieren können.“
15. August 2018
nb
 
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